Forscher der Universität von Oxford haben berechnet: In 50 Jahren ist die Zahl der Nutzerprofile von bereits Verstorbenen größer als die der Lebenden. Dahinter steckt eine wichtige Frage: Wem gehören die Daten?

Stellt euch vor, ihr seid Chef eines Unternehmens, aber irgendwann macht ihr die Entdeckung: Mehr als die Hälfte eurer Kunden sind bereits tot. Genau das könnte Facebook im Extremfall bevorstehen. Ein Doktorand und ein Student des Oxford Internet Institute haben dieses Big-Data-Szenario durchgespielt und die Ergebnisse im Journal "Big Data and Society" veröffentlicht.

Ausgangslage ist die aktuelle Datenbasis von rund 1,5 Milliarden aktiven Nutzern weltweit, aufgeschlüsselt nach Alter der Nutzer und Nationalität. Daten, die relativ transparent verfügbar sind. Dem gegenüber stehen Bevölkerungsdaten von der UN für alle Länder weltweit, die Verteilung von jung und alt und eben die erwartete Bevölkerungsentwicklung unter Berücksichtigung von Geburtenrate und Lebenserwartung beziehungsweise Sterblichkeit.

Takeover durch Tote

Anhand dieser Daten wurden zwei Extremszenarien durchgespielt für den Fall, dass es Facebook in 50 Jahren noch gibt:

Fall 1: Nicht ein einziger neuer Nutzer kommt hinzu, das heißt, es würden sukzessive immer mehr Leute sterben. Die Profile Verstorbener können dann in den "Andenken"-Modus gesetzt werden. Viele Accounts von Toten bleiben aber einfach weiter bestehen, weil sich niemand darum kümmert.

Fall 2: Behält Facebook seine derzeitige Wachstumsrate von 13 Prozent, wäre der Markt irgendwann gesättigt, weil alle, die wollen, einen Facebook-Account haben. Und auch dann kommt der Effekt wieder in Gang, allerdings etwas später. In diesem Szenario würde es Ende des Jahrhunderts mehr tote als noch lebende Facebook-Nutzer geben, beziehungsweise deren Profile.

Wozu die ganzen Berechnungen gut sein? Sie sollen darauf verweisen, dass wir uns um bestimmte Dingen schon jetzt kümmern sollten, sagt Netzreporter Michael Gessat.

"Da steht ein schöner Satz drin: 'Die Ergebnisse sollten nicht als Vorhersage der Zukunft, sondern als Kommentar zur Gegenwart interpretiert werden.'"
Michael Gessat, Netzreporter

Die eigentliche Frage sei nämlich, was eigentlich mit dem digitalen Erbe passiert, das ja nicht nur individuell interessant ist, sondern auch historisch. Sollten diese Daten allein in der Hand eines Privatunternehmens bleiben? Oder sollte über gesetzliche Regelungen nachgedacht werden, ob und wie diese Daten zu archivieren sind, um sie zum Beispiel der Forschung zur Verfügung stellen zu können als zeithistorische Dokumente, oder ob sie nicht doch irgendwann gelöscht werden müssen.