Wohin will Facebook mit seiner digitalen Währung Libra? Als Zahlungsmittel ist Libra durchaus spannend, als Mittel für weitere Geldgeschäfte wie Kredite oder Sparkonten hingegen könnte Libra das Weltfinanzsystem destabilisieren.

Bezahlen im Internet soll so einfach werden, wie eine Nachricht zu verschicken. Das verspricht Facebook mit der neuen Digitalwährung Libra. 2020 soll Libra eingeführt werden. Eigentlich hatte das Social-Media-Unternehmen mit Ebay, Paypal und Mastercard bereits mehrere große Unterstützer im Zahlungsverkehr. Die sind jetzt aber erstmal wieder abgesprungen. Warum genau, darüber geben die Unternehmen keine genaue Auskunft. Denn laut eigener Aussagen finden sie das Projekt Libra weiter spannend.

Datenschützer und Politik kritisieren Libra

Von Seiten der Politik und Datenschützern hingegen gibt es Vorwürfe, Libra könne für Geldwäsche genutzt werden oder sogar zur Terrorfinanzierung. Dazu soll Facebook-Chef Mark Zuckerberg jetzt vor dem Repräsentantenhaus in Washington aussagen.

Volker Brühl ist Geschäftsführer und Professor für Banking und Finance am Center for Financial Studies in Frankfurt. Er persönlich ist zwiegespalten was die neue Facebook-Währung angeht. Einerseits ist er fasziniert, dass eine Währung eingeführt werden soll, mit der auch Zahlungen in Entwicklungsländern deutlich günstiger als bisher durchgeführt werden können. Andererseits stellen sich ihm als Ökonomen auch viele Fragen in Bezug auf diese Digitalwährung, auf die Facebook bislang noch keine Antwort geliefert hat, wie er meint.

Auf der Statistik ist zu sehen, dass Facebook Mitte 2019 2,4 Millionen aktive Nutzer hat
© © Statista 2019
Mitte 2019 verzeichnet Facebook 2,4 Milliarden monatliche Nutzer.

Die Finanzminister der G7 befürchten, dass Libra das internationale Finanzsystem gefährden könnte. Denn mit 2,4 Milliarden Nutzenden ist der Facebook-Kosmos einfach riesig. Und so ein riesiger Geldmarkt gehöre nicht in private Hände, argumentieren die G7.

"Die Stabilität des Weltfinanzsystems ist ein hohes Gut."
Volker Brühl, Finanzwissenschaftler

Dieses Argument sollte vor dem Hintergrund der letzten Finanzkrise ernst genommen werden, sagt Volker Brühl. Wenn sich Libra als Prallelwährung zu den herkömmlichen Währungen entwickeln sollte, dann bestehe die Sorge, dass die Wirksamkeit der Geldpolitik der Notenbanken stark eingeschränkt wird. Die Notenbanken sorgen unter anderem dafür, dass das Preisniveau stabil bleibt.

"So lange Libra ein reines Zahlungsmedium ist, ist das Problem aus meiner Sicht relativ begrenzt."
Volker Brühl, Finanzwissenschaftler

Die Sorge der G7 gilt für den Fall, dass Libra am Ende doch weit mehr ist als ein reines Tauschmedium, also Ware gegen Geld. Konkrete Pläne in diese Richtung hat Facebook noch nicht verlautbaren lassen. Zunächst soll Libra als Zahlungsmedium eingeführt werden. Dazu gibt es Anträge bei der Schweizer Finanzaufsicht, wo Libra beheimatet ist, um die Digitalwährung als alternatives Zahlungssystem zuzulassen. Sollte die Schweizer Finanzaufsicht dem zustimmen, wäre das ein erster wichtiger Meilenstein, so Volker Brühl.

Facebook Libra: Notenbanken fürchten weitere Geldgeschäfte

Die Notenbanken blicken aber bereits jetzt auf eine mögliche Weiterentwicklung. Zum Beispiel auf den Fall, dass mit Libra weitere Geldgeschäfte abgewickelt werden können. Dazu gehören die Vergabe von Krediten oder die Möglichkeit, Sparkonten anzulegen. In dem Fall würden Zinsen entstehen. Und das könnte für die Notenbanken dann tatsächlich problematisch werden. Denn darüber hätten sie dann keine Kontrolle. Ob es Planungen in die Richtung gibt, hat Facebook aber bisher offen gelassen.

Interesse an Libra bleibt groß

Auch Ebay, Paypal und Mastercard sind nach anfänglicher Euphorie vorsichtiger geworden. Warum sich die Unternehmen aus der Kooperation zurückgezogen haben, ist nicht bekannt. Denn, so der Tenor, das Projekt Libra sei immer noch interessant. Volker Brühl war allerdings zunächst überrascht, dass Paypal und Mastercard direkt zu Beginn mit aufgesprungen sind auf das digitale Währungsprojekt von Facebook. Denn bei erfolgreicher Umsetzung wären die Zahlungsanbieter im Prinzip überflüssig, hätten sich also damit selbst das Wasser abgegraben.

"Wenn Libra wirklich erfolgreich ist, dann ist das Geschäftsmodell von Mastercard und Paypal im Grunde genommen überflüssig."
Volker Brühl, Finanzwissenschaftler

Deshalb vermutet Volker Brühl, dass die Unternehmen vielleicht eingestiegen sind, um zu sehen, wie das Projekt Libra funktioniert. Und vielleicht steigen sie wieder ein, wenn Libra tatsächlich erfolgreich ist. Allerdings glaubt der Ökonom auch nicht, dass der Ausstieg ein fundamentaler Rückschlag für Facebook ist. Denn laut Facebooks Libra-Projektleiter David Markus stehen bereits viele andere Partner aus dem Bankensektor vor der Tür.