Schon wieder was bei Facebook gepostet, das besser niemand hätte sehen sollen? Einfach löschen und alles ist gut. Diesen Eindruck vermittelt zumindest eine Imagekampagne, die Facebook gerade gestartet hat. Ganz so einfach ist es aber leider nicht.

Fast die ganze Welt ist auf Facebook. Für Deutschland gibt es gerade frische Zahlen: 28 Millionen Leute, also mehr als ein Drittel der Bevölkerung, haben einen Account, immerhin noch 21 Millionen nutzen ihn täglich. Muss Facebook da noch Werbung machen? Offensichtlich schon, denn heute startet das Unternehmen eine große Kampagne. Erst in Zeitungen und auf Plakaten, TV-Werbespots sollen folgen.

Um die Erschließung neuer Zielgruppen geht es dabei offenbar nicht. Die Testimonials sind jung und schauen offen und möglichst intelligent in die Kamera. Die Macher der Kampagne versichern, dass es keine Models seien, sondern "echte" Menschen, die bei einer Marktforschungsaktion von Facebook mitgemacht und teilweise ihr Feedback per Video eingereicht hätten.

Facebook-Werbung in der Bild-Zeitung
© DRadio Wissen
Motiv aus der Facebook-Kampagne in der Bild-Zeitung vom 31.10.2016

Die Kampagne steht unter dem Motto "Mach Facebook zu deinem Facebook" - und hier sollen offenbar gerade die Bedenkenträger angesprochen werden. Etwa Facebook-Skeptiker, die sich zum Beispiel Sorgen wegen des Datenschutzes beim sozialen Netzwerk machen. Also ist eine junge Frau mit dem Statement "Ich habe mal etwas gepostet, was ich nie hätte teilen sollen" zu sehen. Und dann steht darunter ein Papierkorb-Icon und der Text: "Lösche es und es ist verschwunden." Die Message: Es mag zwar potenzielle Probleme geben, aber die lassen sich auf Facebook alle lösen.

Ein anderes Motiv zeigt einen jungen Typen mit rotem Bart und dazu den Satz "Keine Ahnung, wer meine Posts zusehen bekommt." Facebooks Lösungsansatz dazu: "Kontrolliere, wer was sieht". Gemeint ist die feinkörnige Einstellung der verschiedenen Freunde-Gruppen. Das dritte Motiv geht auch diese Richtung: Ein kritisch dreinschauender Lockenkopf und dazu der Satz: "Du postest ein Bild deiner Kinder und die ganze Welt sieht es." Facebooks Lösung: "Poste Fotos an 'Familie'."

"Es ist immer das gleiche Problem - was andere mit unseren Daten machen, kann man nicht kontrollieren."
Netzreporter Michael Gessat

Aus Facebooks Sicht oder eher in der Darstellung der Kampagne ist also alles wunderbar und sicher. In der Realität ist das natürlich alles ein bisschen komplizierter - gerade beim Stichwort "löschen". Wie wir schon vom österreichischen Facebook-Kritiker Max Schrems wissen, heißt löschen noch lange nicht, dass die Daten auch aus Facebooks Datenbanken verschwunden sind.

Besonders problematisch ist es, wenn der Post, den ihr eigentlich nie hattet posten wollen, schon kopiert und weitergegeben wurde. Dann verschwindet er wahrscheinlich nie mehr. Und beim Stichtwort Weitergabe-Einstellungen und Fotos müsst ihr schon sehr drauf vertrauen, dass die Facebook-Algorithmen auch funktionieren. Hier gab es schon einige Pannen. Und was andere mit den Daten machen, ist nicht kontrollierbar. Nebenbei werden alle Daten, die ihr postet, von Facebook ausgewertet und gegebenenfalls an Werbekunden weitergegeben.

Die Sache mit den Hass-Postings, die nicht nur unserem Justizminister so sehr beunruhigen, wird übrigens nicht in der Werbung angesprochen. Aber irgendwann soll eine gesonderte Kampagne kommen, beteuert Facebooks-PR-Sprecherin.