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Das Netz und vor allem auch Social Media sind voll von falschen Tatsachenbehauptungen. Um etwas dagegen tun zu können, hatte Facebook versprochen, unabhängigen Forscherinnen und Forschern Zugriff auf seine Daten zu geben. Wie Medien nun berichten, hat der Konzern sein Versprechen gebrochen und nur unvollständige Daten geliefert. Für die Forschung ist das ein Rückschlag.

Das Techblog Engadget schreibt, dass Facebook Transparenz und Zugang zu allen Daten auf der Plattform zugesichert hatte. Denn wie sonst sollen Forschende das Ausmaß, Ursprünge und Verbreitung von Falschinformationen erforschen? Jahrelang war es einer der Hauptkritikpunkte von Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Politiker*innen, dass Facebook unabhängige Forschung zu diesem Gebiet erschwert, indem es die Daten nicht herausgibt.

"Der Artikel bei der New York Times trägt eine Überschrift, die fast schon wie Realsatire anmutet: 'Facebook sandte Missinformationsforschern fehlerhafte Daten'."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Unter dem wachsenden öffentlichen Druck hatte Facebook dann eingelenkt. Allerdings – so die aktuellen Berichte – hatte der Konzern den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nur Daten der US-Profile zur Verfügung gestellt, aus denen eine recht deutliche politische Präferenz für Republikaner oder Demokraten hervorging. Es fehlten hingegen Profile, bei denen die Partei-Präferenzen nicht so klar waren.

Laut einem Bericht der New York Times hat Facebook Forschenden nur Interaktionen von etwa der Hälfte aller User*innen in den USA zur Verfügung gestellt. Somit ergab sich ein unvollständiges Bild von der Fake-News-Situation in den USA.

Facebook hat sich entschuldigt

In einer Email an die Forschungsteams hat sich Facebook für das Problem entschuldigt. Das Ganze sei keine Absicht gewesen und auf einen technischen Fehler zurückzuführen. Daten von Nutzerinnen und Nutzern außerhalb der USA seien zudem nicht betroffen. Man bemühe sich, eine Lösung zu finden – was aber wegen der großen Datenmengen Wochen dauern könne. Wie der Standard schreibt, werfen manche Forscherinnen und Forscher Facebook vor, ihre Projekte absichtlich zu torpedieren.

"Einige Forscher, die mit den fehlerhaften Daten beliefert wurden, halten das für eine Schutzbehauptung."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten versucht, mit eigenen Tools die Daten von Facebook abzugreifen, um sicher zu gehen, dass sie ein vollständiges Bild der Lage erhalten. Doch die Gruppe des "NYU Ad Observatory Project" war daraufhin beispielsweise von Facebook blockiert worden. Facebook erhob den Vorwurf, dass Tools der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Daten ohne Erlaubnis von der Plattform herunter laden. Laura Edelson, die Leiterin des "Ad Observatory Projects", sagte bei Engadget, sie gehe davon aus, dass ihre Forschung gestoppt wurde, weil sie "oft auf Probleme der Plattform aufmerksam gemacht habe".

Die Forschenden aus New York hatten unter anderem herausgefunden, dass Facebook die Geldgeber hinter politischer Werbung teilweise nicht korrekt markiert hatte. Laura Edelson ist der Meinung, dass nicht Facebook darüber entscheiden dürfe, wer es erforscht.

Forschungsprojekte wurden zurückgeworfen

Die Forschenden sind jedenfalls der Meinung, dass die Forschung zu Fakenews durch die fehlerhaften Daten weit zurück geworfen wurde. Möglicherweise um Jahre. Einige Projekte stehen laut Engadget komplett vor dem Aus. "Das dürfte Facebook gut in den Kram passen, denn so lange wir nicht wissen, was genau auf der Plattform passiert, kann Facebook immer wieder sagen: Wir würden ja gerne was ändern, aber wir müssen das Problem erst mal genauer erforschen", sagt Martina Schulte.