Mehr Menschen fahren mit dem Fahrrad – oder möchten es zumindest. Die Nachfrage nach neuen Rädern und Ersatzteilen ist hoch, aber die Produktion kommt wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht hinterher.

Seit über einem Jahr achten wir darauf, Abstand zu halten: in der Supermarktschlange, beim Spaziergang und auch im Straßenverkehr. Statt in Pandemie-Zeiten auf volle Busse und Bahnen zu setzen, haben sich viele Menschen im vergangenen Jahr für das Fahrrad entschieden.

In Köln zum Beispiel hat der Radverkehr 2020 um rund elf Prozent zugenommen, was laut der Stadt Köln ein Rekordhoch ist. Und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Fahrradfahren schon zu Beginn der Coronavirus-Pandemie im Sinne des Infektionsschutzes empfohlen.

"In der Pandemie hat der Anteil des Radverkehrs in Deutschland noch mal rekordverdächtig zugelegt. Das Rad ist einfach das Verkehrsmittel in der Pandemie."
Paulus Müller, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Nachdem auch vor der Pandemie zunehmend mehr Menschen auf das Rad gestiegen sind, erlebt Fahrradfahren in Zeiten von Flatten the Curve und Abstand halten einen Boom. Alleine der Verkauf neuer Räder und E-Bikes ist 2020 um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, meldet der Zweirad-Industire-Verband (ZIV). Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Werkstätten.

Wegen Corona: Aufschwung und Wartezeiten

Die erhöhte Nachfrage trifft in der Coronavirus-Pandemie allerdings auf Lieferengpässe bei den Herstellern. Egal ob Ersatzteile oder Neuräder – die Wartezeiten für Kundinnen und Kunden sind gerade lang.

Die Pandemie legt die Fahrradbranche fast schon lahm. Die meisten Fahrradteile kommen nämlich aus Asien. Wird in Ländern dort ein Lockdown verhängt wie aktuell in Malaysia, steht auch die Produktion in den Fabriken still, erklärt Tobias Hempelmann, Fahrradhändler und Vorstandsmitglied beim Verband des Deutschen Zweiradhandels. Hinzu kommt, dass für einige Produktionen die Rohstoffe fehlen ähnlich wie aktuell auch bei Baumaterialien.

"Auf der einen Seite haben sich Produktion und Lieferung verzögert. Auf der anderen Seite gab es eine viel größere Nachfrage."
Paulus Müller, Deutschlandfunk Nova

Unabhängige Händler, die nur kleine Lager haben, treffen die Lieferengpässe momentan besonders, sagt Tobias Hempelmann. Sie hätten zwar in der vergangenen Nebensaison so viel an neuen Rädern und Ersatzteilen vorbestellt, wie sie in ihren Lagern verstauen konnten, würden der hohen Nachfrage wegen der schleppenden Produktion gerade aber kaum hinterher kommen. Laut Tobias Hempelmann könne sich die Lage im Herbst wieder entspannen.

Gebrauchte Teile einbauen

Fahrradfahrende brauchen bis dahin also Geduld, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Paulus Müller. Oder sie suchen nach Alternativen. Paulus zum Bespiel wartet seit vier Wochen vergeblich auf ein Ersatzteil für sein Rennrad. Er hat sich entschieden, statt dem neuen Ersatzteil ein gebrauchtes Teil in sein Rennrad einzubauen.

Ähnliche Alternativen bieten Werkstätten ihren Kundinnen und Kunden auch an. Anstelle einer Bremsleitung in Schwarz bauen sie dann eine in Grau ein. Andere Teilen lassen sich gerade auch noch über größere Onlinehändler oder Plattformen wie Ebay und Co. finden.

Das neue Rad nicht während der Saison kaufen

Wer ein neues Rad kaufen möchte, dem empfiehlt Paulus, Fahrradgeschäfte in der weiteren Umgebung abzutelefonieren. Oder bis zum Herbst mit dem Kauf zu warten. Dann sind manche der Räder sogar reduziert.