Die Preisspanne bei Friseuren ist sehr groß – sie reicht von fünf Euro für einen Haarschnitt bis zu 200 Euro. Viele Kunden finden zwar eine faire Bezahlung gut, wollen aber trotzdem für eine neue Frisur nicht so tief in die Tasche greifen.

Unsere Reporterin Grit Eggerichs war in Berlin unterwegs, um herauszufinden, warum die Preisspanne bei Friseurbesuchen so groß ist. In einem der Friseursalons, die Grit besucht hat, hat ihr Betriebswirt Marcus gesagt, dass ein Friseur 50 bis 60 Euro in der Stunde einnehmen sollte, damit sich der Salon finanzieren kann.

"Ein Handwerker in Deutschland muss 50 bis 60 Euro pro Stunde verdienen. Ob ich in der Stunde jetzt eine Kundin mache oder 2 à 30 Euro oder sechs Kundinnen à 10 Euro – das Ziel ist dasselbe, ansonsten legt der Friseur drauf."
Marcus, Rezeoptionist im Friseursalon
Ein Friseur wirbt mit Niedrigpreisen auf dem Schaufenster.
© imago images
Friseurgeschäfte mit Niedrigpreisen für Haarschnitte stellen eine große Konkurrenz für größere Betriebe dar, die mehr Mitarbeiter haben und faire Löhne bezahlen möchten.

Marcus macht für alle Kunden immer Stundentermine, die mindestens 50 Euro kosten.

Viele Friseure bieten ihre Dienstleistungen deutlich günstiger an. Das können sie, weil sie sich entweder nicht ganz so viel Zeit für ihre Kundinnen und Kunden nehmen, sagt Marcus. In vielen Fällen zahlen sie aber schlicht keine Umsatzsteuer ans Finanzamt – das wären 19 Prozent, die sie günstiger sein können als die steuerzahlende Konkurrenz. Jeder vierte Friseur ist ein Ein-Personen-Unternehmen, das weniger als 17.500 Euro im Jahr einnimmt. Für sie gilt die Kleinunternehmerregelung – der Friseur muss keine Umsatzsteuer abführen. Ein klarer Wettbewerbsnachteil für Salons wie seinen, sagt Marcus.

"Wir zahlen schon immer über Mindestlohn. Das ist das Basisgehalt. Darüber hinaus gibt’s noch einen variablen Teil, der als Prämie oben drauf kommt. "
Marcus macht die die Buchhaltung im Salon "Peter Arnheim haare & makeup"
Eine Kundin lässt sich in einem Friseursalon von einem Friseur beraten.
© Deutschlandfunk Nova | Grit Eggerichs
Friseurmeister Peter berät eine Kundin.

Fair bezahlen und am Umsatz beteiligen

Der Betrieb, in dem Marcus arbeitet, hat vier Mitarbeiter und trägt sich finanziell. Peter Arnheim, dem Chef des Ladens, ist es wichtig, faire Löhne zu zahlen.

Von Anfang an mehr als den Mindestlohn verdienen

Auch Sven Weinhönig, Inhaber eines veganen Friseurgeschäfts, ist es wichtig, fair zu bezahlen. Seine Mitarbeiter bekommen seit Gründung des Betriebs mehr als den Mindestlohn, etwa 11,30 Euro bis 12 Euro. Auch bei ihm gibt es Provisionen. Und selbstverständlich das Trinkgeld, das die Kunden da lassen. Im Schnitt kommen 1.400 bis 1.500 Euro netto im Monat zusammen, sagt der Friseurmeister Sven. Dass viele Kunden nicht bereit sind, für einen Haarschnitt angemessen zu bezahlen, liegt am schlechten Image des Berufs, sagt Sven. Er zitiert ein blöden Spruch: Wer nichts kann, wird halt Friseur.

"Das ist sehr schade, denn der Beruf ist interessant und vielseitig, jeden Tag aufs neue macht es mir Spaß, in dem Beruf zu arbeiten."
Friseur Sven über das schlechte Image des Friseurhandwerks