Die Menschen im Bild oben existieren nicht. Eine Künstliche Intelligenz hat sie erfunden. Hunderttausend Menschen, die es überhaupt nicht gibt. In Zukunft werden wir sie nicht mehr von echten Porträts unterscheiden können.

Sie haben unterschiedliche Kopfformen, Hautfarben, Geschlechter und Frisuren. Und wer sich ein einzelnes Porträt von den hunderttausend Aufnahmen herauspickt und es lang und intensiv anstarrt, bekommt irgendwann das Gefühl: Hier stimmt etwas nicht.

Denn mal sehen die Zähne irgendwie merkwürdig aus, dort schielen die Augen extrem, bei anderen verquirlt ihr langes Haar in einem merkwürdigen Strudel. Einigen Menschen prangt ein digitales Loch in der Stirn.

"Einige Bilder wirken mega echt, wirken ziemlich natürlich. Sympathische Gesichter! Aber: Manche sehen auch total künstlich aus."
Till Opitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Denn die gezeigten Menschen sind nicht echt, eine Künstliche Intelligenz hat sie aus unzähligen echten Fotos neu zusammen gesetzt. Lars Bauernschmitt, Professor für Fotojournalismus an der Hochschule Hannover hat das auch als Experiment durchgeführt und der Künstlichen Intelligenz 69 echte Fotos als Vorlage gegeben. "Diese Bilder wurden dann zusammenmontiert, dann wurden neue Gesichter geschaffen", erklärt Bauernschmitt.

Fake-Porträts mit Schönheitsfehlern

Nun hat die Agentur Icons 8 aber nicht nur 69 Fotos genommen, sondern Tausende. Der KI steht also ein gigantischer Vorrat an verschiedenen Nasen, Augen, Lippen, Ohren und Hauttönen zur Verfügung. Das funktioniert manchmal fast perfekt, kann aber auch schief gehen, wenn sich in das Porträt bizarre Artefakte mogeln. "Es gibt manchmal so komische Streifen im Gesicht", sagt Till Opitz. "Das ist schnell als Fake zu entlarven."

"Das sind sehr hübsche Menschen. Faltenlos. Man kann es auch ganz brutal sagen: kein Profil, keine Ecken, keine Kanten. Bilder, die also keinen Inhalt und keine Emotion transportieren."
Lars Bauernschmitt, Professor für Fotojournalismus an der Hochschule Hannover

Die Firma sagt, ihre Porträts seien ideale Bilder für Websites, Broschüren oder Präsentationen. Bauernschmitt meint aber, die Bilder sind eher was für Werbetreibende. "Das sind sehr hübsche, durchweg junge Menschen", so Lars Bauernschmitt. "Man kann es auch ganz brutal sagen: kein Profil, keine Ecken, keine Kanten." Es seien Bilder, die keinen Inhalt und keine Emotion transportieren.

Models ohne Rechte

Das Praktische an den Fake-Porträts: Ihr könnt sie benutzen, wie ihr wollt - wenn ihr die Bildquelle angebt. Für Tinder, in der PR, für falsche Social-Media-Accounts. "Interessant sind diese Fake-Bilder auch für extremistische Parteien", sagt Till Opitz. "Die haben oft Probleme Bilder von echten Menschen zu finden, die sich vor ihren Karren spannen lassen." Echte Models widersprechen nämlich oft der Nutzung ihrer Bilder für politische Zwecke.

"Echte Bilder werden nicht verschwinden. Aber Fakes werden massiv zunehmen.
Till Opitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter