Bewertungen, Kommentare und Likes sind nicht immer authentisch – das kennen wir. Ein Team aus Forschenden und Journalisten will jetzt herausgefunden haben: Auch die "Gefällt mir"-Angaben unter Posts von Politikerinnen und Politiker sind teilweise gekauft.

Die Reichweite auf Social Media durch gekaufte Likes verbessern: Darüber wurde in der Vergangenheit schon oft berichtet. Gerade, wenn es um das Bewerten von Produkten oder Dienstleistungen geht, sollten wir ihre Echtheit hinterfragen.

Forschende der Ruhr-Universität-Bochum (RUB) haben gemeinsam mit dem NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung jetzt herausgefunden: Offenbar gibt es auch Social-Media-Einträge von Politikerinnen und Politikern aller Parteien mit gekauften Likes, wie die RUB berichtet.

Insgesamt 29 Orts- und Kreisverbände, fünf Landesverbände, zehn Landtagsabgeordnete und ein Bundestagsabgeordneter stehen auf einer Liste, die das Team aus Forschenden und Journalisten erstellt hat.

Eine lange Liste mit gekauften Likes

Für sie soll das Crowdworking-Unternehmen Paidlikes auf den "Gefällt mir"-Button geklickt haben – gegen Geld. Auf seiner Seite wirbt das Unternehmen unter anderem mit dem Kauf von Facebook-Likes. 89.000 Klick-Kampagnen soll die Magdeburger Firma seit 2012 umgesetzt haben, sagen die Bochumer Forschenden. Der Großteil der Kampagnen fand demnach mit 86 Prozent auf Facebook statt.

"Wer die Likes am Ende wirklich in Auftrag gegeben hat, lässt sich nicht sagen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Unklar sei aber, wer die Likes tatsächlich gekauft hat: Hinter den Auftraggebern könnten zum Beispiel auch Medienagenturen stecken – nicht unbedingt die Politikerinnen und Politiker selbst. Das bedeutet: Steht der Name einer Person auf der Liste der betroffenen Klick-Kampagnen, ist es möglich, dass sie über den Kauf von Fake-Likes nichts weiß. Zudem würde das Crowdworking-Unternehmen auch Likes vergeben, ohne dafür einen expliziten Auftrag zu haben, schreibt der NDR.

"Im Vergleich zu Bots sind von Menschen verteilt Likes, zum Beispiel von Clickworkern, dann qualitativ die hochwertigere Arbeit."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Der Vorteil von Likes über Clickworker: Es fällt weniger auf, dass ein "Gefällt mir" Teil einer Strategie ist. Denn: Clickworker sind echte Nutzerinnen und Nutzer, die mit ihrem Profil Likes für Posts, Fotos oder Kommentare vergeben. Dadurch wirken ihre Fake-Likes echter, als das "Gefällt mir" eines Bots. Pro Klick erhalten die Clickworker wenige Cent. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll ihnen das Unternehmen in den vergangenen Jahren 350.000 Euro ausgezahlt haben.