Sorgen, Angst, Leid, Hoffen... – so geht es gerade vielen, die Angehörige haben, in deren Heimatland Krieg herrscht. Wie kann man sie unterstützen und für sie da sein? Manchmal kann ein kleines "Wie geht es dir?" schon viel verändern...

Wie gut ein "Hallo, wie geht es dir heute?" tun kann, weiß Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Elena Bavandpoori. Sie ist Iranerin und kann Teile ihre Familie im Iran seit Kriegsbeginn nur noch selten erreichen. "So eine Funkstille möchte ich nicht auch noch in meinem Freundeskreis spüren", sagt sie.

Elena möchte gefragt werden – gleichzeitig möchte sie aber auch den Raum dafür haben, keine klare Antwort zurückgeben zu müssen. Oder eine Einordnung darüber, was gerade im Iran passiert.

"Seit den Angriffen auf den Iran kann ich Teile meiner Familie nur selten erreichen. So eine Funkstille möchte ich nicht auch noch in meinem Freundeskreis spüren."
Elena Bavandpoori, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Deutsch-Palästinenserin Linda hat beobachtet, dass immer weniger Menschen auf sie zugekommen sind, seit die Lage im Gaza-Krieg immer komplexer geworden ist. Sie nimmt bei anderen eine gewisse Verunsicherung wahr, etwas zu fragen oder zu sagen, was nicht in Ordnung sein könnte.

Verunsicherung ablegen: "Fragen schadet nie"

Linda wünscht sich, dass Bekannte "dieses Es-ist-kompliziert-Gefühl ablegen und sich trauen, Fragen zu stellen und in den Austausch zu gehen, selbst wenn man vielleicht 'was Falsches' sagt", erklärt sie.

Dabei sollten wir uns nicht den Druck machen, alles über den Krieg und das betroffene Land wissen zu müssen. Es geht auch nicht darum, eine Lösung für den Konflikt zu finden oder die Lage zu relativieren, sagt Psychotherapeutin Aysan Amir.

Es gehe darum, für Betroffene da zu sein. "Fragen schadet nie und kann im besten Fall Menschen aus einem Loch rausholen, weil sie merken: Ich bin damit nicht alleine", erklärt sie.

"Es geht gerade, wenn es um Krieg geht, nicht darum, Lösungen zu suchen. Es geht auch nicht darum, zu relativieren, sondern eher ein: Ich bin da."
Aysan Amir, Psychotherapeutin

Gleichzeitig sollten wir nicht erwarten, dass Betroffene über den Krieg, seine Hintergründe oder die aktuellen Entwicklungen aufklären. Die Anteilnahme sollte im Fokus stehen.

Konkrete Angebote machen

Am schönsten zeigt sich das in Form von einem "Ich würde gerne wissen, wie du dich fühlst", finden Linda, Elena und Aysan Amir. Oder auch einem konkreten Angebot, das es den Betroffenen so einfach wie möglich macht. Das kann zum Beispiel sein, etwas zu kochen und die Person direkt dazu einzuladen – statt ihr zu sagen, dass sie sich melden kann, wenn was ist.

"Zu einer solidarischen Person gehört Mut. Man muss bereit sein, den ersten Schritt zu machen", sagt Elena. Und auch "den ein oder anderen Fehler, solange man die Betroffenen in den Fokus nimmt. Manchmal heißt das auch einfach nur: zuhören."

Shownotes
Anteilnahme
Familie im Krieg: So können wir für Freunde da sein
vom 29. April 2026
Moderator: 
Christoph Sterz
Autorin Audio-Beitrag: 
Elena Bavandpoori, Deutschlandfunk Nova