Da sitzt man mit seinen Eltern und Verwandten am Kaffee-Tisch - der Papa hat Geburtstag - und dann eskaliert die Situation: Im Zusammenhang mit Flüchtlingen kommen Ansichten zutage, von denen man dachte, dass es die im eigenen Umfeld nicht gibt. Markus (Name geändert) hat das erlebt.

Die Gesellschaft, die da am Geburtstagstisch sitzt, ist 50+. Markus ist der einzige Jüngere. Die Älteren sind sich aber wahnsinnig einig. Sie mögen keine Flüchtlinge. "Weil sie von ihren Steuergeldern nur Kippen und Alkohol kaufen, weil sie die Sachen, die sie gespendet haben, nur wegschmeißen" und so weiter. In ihrer Haltung scheinen sie unbeirrbar zu sein. Auf Markus wirkt das verstörend, auch einschüchternd im ersten Moment - er ist entsetzt.

"Die Behauptungen waren unerträglich. Ich habe nur noch zusammengekauert in der Ecke gesessen und vor mich hin gestarrt."
Markus (Name geändert)

Was für Markus so schlimm ist: Es ist seine Familie. Alles Menschen, die man kennt, seit man klein ist, mit denen man aufgewachsen ist. Und dann hört man solche Dinge, die man sonst nur von den anonymen Hass-Kommentaren aus dem Internet kennt. Und denkt: Sowas in meinem Umfeld hätte ich niemals für möglich gehalten.

Nichts war gut

Markus' Vater hat gemerkt, dass was nicht stimmt mit ihm. Er hat sich zu ihm rübergelehnt und gefragt, ob alles gut sei. Aber nichts war gut. In Markus brodelte es.

"Ich wollte die Runde verlassen. Aber ich wollte meine Eltern nicht enttäuschen und bin geblieben."
Markus

Die Übergriffe von Köln waren nicht lange her. Auch das wurde Thema am Tisch. Schließlich sagte einer: "Wenn ich in Köln dabeigewesen wäre, ich hätte mit 'ner Kalaschnikow auf die geschossen. Ratatatatatata."

Schießen auf Flüchtlinge?

Ein anderer wollte Flüchtlinge "mit Backsteinen kastrieren". Irgendwann wurde es Markus zu viel. Die Diskussion ging ihm zu Herzen - so sehr, dass es irgendwann aus ihm herausplatzte.

"Irgendwann hab' ich angefangen zu heulen und die Leute am Tisch angeschrien."
Markus

Markus konnte sich nicht durchsetzen. Wie auch? Im Gegenteil: Er hat für sich die Erkenntnis mitgenommen, dass sich seine Verwandten nicht in andere Menschen hineinversetzen können. Damit hat er sich abgefunden.