Sollen minderjährige Flüchtlinge ihre Familien nach Deutschland nachholen dürfen? Azra Hosseini-Dehkordi ist ehrenamtliche Vormundin und sagt: "Familie ist für die Integration sehr wichtig."

Die Regierungskoalition streitet: Soll der Familiennachzug für sogenannte subsidiär Schutzberechtigte eingeschränkt werden? Auch für die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge darunter - so wie es das eben erst beschlossene Asylpaket II vorsieht?

Für die Integration junger Flüchtlinge in Deutschland wäre das kontraproduktiv, sagt Azra Hosseini-Dehkordi, die schon seit 2003 als ehrenamtliche Vormundin für den Kinderschutzbund Hamburg jugendliche Flüchtlinge betreut. Nicht bei sich zu Hause, sondern in Heimen - trotzdem sei das "eine große Aufgabe", sagt die 55-jährige Pädagogin. Jeder minderjährige Flüchtling, der ohne Eltern nach Deutschland kommt, braucht einen Vormund.

"Diese Jugendlichen haben viel erlebt, sind vielleicht traumatisiert und brauchen eine Bezugsperson, die ihnen zuhört und sie im Alltag unterstützt."
Azra Hosseini-Dehkordi, Vormundin für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge

Zur psychologischen Unterstützung komme die Unterstützung bei organisatorischen Dingen, erzählt Azra Hosseini-Dehkordi, die als Vormundin ihre Mündel zum Beispiel auch auf Amtsgängen begleitet. Früher habe sie die Sorgen der Kinder und Jugendlichen oft mit nach Hause genommen. "Mit Hilfe von Schulungen des Kinderschutzbundes konnte ich jedoch lernen, mich abzugrenzen."

Wichtig für die Integration

Die Hamburgerin hat bereits fünf Jugendliche betreut und dabei immer wieder gemerkt, wie wichtig das Thema Familiennachzug für ihre Schützlinge war. Ein 12-jähriges Mädchen aus Afghanistan zum Beispiel hat die Sehnsucht nach ihrer Familie psychisch und physisch so stark belastet, dass es oft krank war. In der Schule konnte sie sich schlecht konzentrieren und auch die Motivation Deutsch zu lernen fehlte. Irgendwann habe das Mädchen selbst festgestellt: "Der Grund, warum es mir so schlecht geht, ist - mir fehlen meine Eltern und Geschwister." Vormundin Azra Hosseini-Dehkordi ist daher der festen Überzeugung, dass Familiennachzug jungen Flüchtlingen bei der Integration in Deutschland hilft.

Mehr im Netz:

  • Dicke Partner fürs Leben | Carsten Hahn berichtet im Grünstreifen über seine Vormundschaft für den 16-jährigen Paous aus Guinea
  • Vormund gesucht | Sueddeutsche.de über unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
  • Kinder brauchen ihre Eltern | Stellungnahme des Bundesfachverbandes unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zum Thema Familiennachzug