In großen deutschen Familienunternehmen sind die Führungsetagen eher mit Männern besetzt. Frauen haben hier geringe Chancen auf einen Chefposten.

Aldi, Bosch, Otto, Henkel, Oetker - das sind nur einige aus einer langen Liste der großen deutschen Familienunternehmen. Sie sind ein Pfeiler unserer Wirtschaft - allerdings stehen sie ziemlich schlecht da, wenn es um den Frauenanteil in der Geschäftsleitung geht.

Die gemeinnützige Allbright-Stiftung hat dazu eine neue Studie veröffentlicht. Mit dem Ergebnis, dass die Frauenquote in den Geschäftsleitungen großer Familienunternehmen noch schlechter ist als in den Vorstandsetagen von DAX-Konzernen.

Frauenanteil liegt bei 6.9 Prozent

Am 1. März 2020 lag der Anteil von Frauen in der Geschäftsleitung der 100 umsatzstärksten Familienunternehmen in Deutschland bei 6,9 Prozent. Nur zwei dieser hundert Firmen haben eine Chefin. Und bei weniger als einem Drittel der Familienunternehmen gibt es überhaupt eine Frau in der Leitung, bei 81 Firmen liegt die Geschäftsführung in reiner Männerhand.

Vorstand und Geschäftsführung ist übrigens das gleiche: Bei Familienunternehmen heißt es traditionell Geschäftsführung, bei börsennotierten Firmen immer Vorstand.

Die Allbright-Stiftung beschäftigt sich immer wieder mit dem Thema "Frauen in Führungspositionen". Die Geschäftsführerin Wiebke Ankersen sagt, dass auch sie ein bisschen erschrocken war über die Ergebnisse der aktuellen Studie: "Wir haben ja 2020, nicht 1950", sagt sie. Wiebke Ankersen hat den Eindruck, dass sich die Familienunternehmen zu wenig Gedanken darüber machen, was zeitgemäße Unternehmensführung bedeute.

"Was wir da sehen hat uns ein bisschen erschreckt. Die 30 größten Börsenunternehmen sind im internationalen Vergleich schon weit zurück mit 15 Prozent Frauenanteil in den Vorständen, aber hier ist der Anteil nicht mal halb so hoch."
Wiebke Ankersen, Allbright-Stiftung

Wiebke Ankersen sagt, dass die Strukturen offenbar immer noch begünstigen, dass Männer andere Männer in Führungspositionen holen. Und auch, dass Familienunternehmen das Thema "Frauen in der Führung" nicht wichtig finden.

"Wir haben den Eindruck, Diversity oder gemischte Führung wird bei vielen so als Zeitgeist-Phänomen abgetan und nicht so richtig ernst genommen, und das ist natürlich ein fataler Fehler."
Wiebke Ankersen, Allbright-Stiftung

Wiebke Ankersen sagt, dass die Unternehmen an dieser Stelle verpassen, auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

20 der 100 größten Familienunternehmen in Deutschland sind an der Börse notiert und halten selber die größten Anteile an ihrem Unternehmen. Dazu gehören BMW, Continental, Henkel, Volkswagen und Merck. Diese Firmen stehen mehr in der Öffentlichkeit als andere und haben einen höheren Frauen-Anteil in den Vorständen - etwas mehr als 10 Prozent.

Mit der Frage, ob es überhaupt genügend Töchter gibt, die an einer Führungsposition im Familienunternehmen interessiert sind, hat sich die Stiftung Familienunternehmen im Jahr 2018 beschäftigt. In einer Studie hat sie festgestellt, dass die Frauen in Familienunternehmen sogar ein größeres Interesse daran haben, in der Firma aufzusteigen, als Männer.

"Die Frauen sind da und sie wollen führen. Sie müssen sie nur in die entsprechenden Positionen besetzen."
Wiebke Ankersen, Allbright-Stiftung

Das Führungs-Management in großen Familienunternehmen wird heute oft mit Angestellten besetzt und nicht unbedingt mit Familienmitgliedern. Aber auch da ließe sich der Frauenanteil steigern - wenn die Stellen entsprechend besetzt werden.