Für knapp 15 Euro können bei Spotify bis zu sechs Familienangehörige Musik streamen. Der neue Family-Tarif ist viel zu billig und schadet nicht nur den Musikern, sagen Kritiker.

Geiz ist Geil: ein Schweinekotelett für einen Euro, der Liter Milch für 50 Cent. Vielen Produzenten droht die Pleite. Außerdem bleiben bei Dumpingpreisen auch Produktqualität und Produktvielfalt auf der Strecke. Genauso ist das auch bei der Musik, konkret beim Streaming übers Netz.

"Musikstreaming im Netz ist viel zu billig, sagt ein Kommentar auf der Website t3n. Es ruiniere das Geschäftsmodell Streaming und schade erst den Musikern - und letztlich auch den Kunden."

Ausgangspunkt für den Warnruf ist der neue Family-Tarif bei Spotify: 14,99 Euro für maximal sechs Familienangehörige. Das Angebot ist eine Reaktion auf Apple Music, die mit diesem Preis vorgeprescht sind. Also ein Schritt von Spotify, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Wie war das nochmal früher mit den CDs?

Einen Familienrabatt gab es bei Spotify schon immer - wie auch bei anderen Anbietern. Tatsächlich werden sich nur wenige Familien für Vater, Mutter und drei Kinder einen eigenen Account leisten können oder wollen. CDs haben wir ja früher auch in der Familie gemeinsam genutzt.

Family-Argument nur vorgeschoben?

Die Website t3n argumentiert anders: Das Ganze sei eine Dumpingaktion, das Family-Argument nur vorgeschoben: Spotify würde nämlich gar nicht überprüfen, ob die sechs Leute mit einem Account wirklich Familienmitglieder seien.

"Die Spotify-AGB regeln das eigentlich ganz klar: Alle sechs Family-Mitglieder müssen die gleiche Anschrift haben."
Michael Gessat, DRadio Wissen Netzreporter

Das Angebot funktioniert also auch bei WGs. Angeblich aber auch, wenn man "Leute übers Netz zusammentrommelt", wie tn3 schreibt. Und tatsächlich: Im Netz finden sich solche Hörgemeinschaften ganz einfach - bei MyDealz zum Beispiel. Dort wird etwa angeboten, sich einen philippinischen Account einzurichten und zu sharen, Fake-Adressen inklusive. Das Monatsabo gibt es dann für 80 Cent.

Wohl eher kein Massenphänomen

Theoretisch könnte ein Betreiber schon mitbekommen, wenn da jemand trickst: Ein Initiator einer Pseudo-Family, der die fünf anderen unter seiner Anschrift meldet, bekäme spätestens dann ein Problem, wenn herauskommt, dass die anderen ganz andere E-Mail- und IP-Adressen haben. Aber da müsste Spotify schon sehr restriktiv hinterherhecheln.

"Ich bezweifle, dass dieses Pseudo-Family-Sharing ein Massenphänomen wird - das ist ja Aufwand, da muss man seine Kohle dem Organisator rüberschieben, und der hat dann das Risiko."
Michael Gessat, DRadio-Wissen-Netzreporter

Was bleibt für den Künstler?

Das Geld, das von den rund 2,50 Euro pro Monat pro Kunde am Ende beim Künstler ankommt, reicht hinten und vorne nicht, sagt tn3. In den Userkommentaren unter dem Artikel fällt aber auch ein Gegenargument: Insgesamt würden die Streaming-Umsätze nämlich stärker steigen als die CD- und DVD-Verkäufe zurückgingen. Rein rechnerisch gebe jeder Deutsche nur 1,50 Euro monatlich für Musik aus - da wären 2,50 Euro also noch eine Steigerung.

Bei der Preisbildung hat außerdem jeder Einzelanbieter eine eigene Agenda: Big Player wie Apple können quer subventionieren, die anderen müssen konkurrenzfähig bleiben.