Mashrou‘ Leila ist eine Band aus Libanon. Sie spielen Indierock auf Arabisch, mit teils ironischen, teils politischen Texten. Vor Kurzem sind sie auf einem Festival in Ägypten aufgetreten. 35.000 Fans waren restlos begeistert – nur die ägyptischen Sicherheitsbehörden nicht – weil im Publikum Regenbogenfahnen geschwenkt wurden.

Nach dem Auftritt war klar: Mashrou‘ Leila darf bis auf Weiteres nicht mehr in Ägypten auftreten. Noch härter hat es allerdings die Fans getroffen. Amnesty International berichtet von Verhaftungen und mehrjährigen Haftstrafen. Zum Hintergrund: Hamed Sinno, der Sänger von Mashrou‘ Leila, gilt als Freddie Mercury der arabischen Welt. Er sieht dem legendären Queen-Sänger sieht nicht nur ähnlich - er ist auch offen schwul. Und das hat einige Fans dazu gebracht, Regenbogenfahnen, das weltweite Symbol der LGTB-Szene, mit zum Kairoer Konzert zu bringen, sagt unsere Kulturkorrespondentin Cornelia Wegerhoff. Im konservativen Ägypten sorgte das für Empörung.  

Homosexualität ist zwar nicht per Gesetz verboten, wird aber als anstößiges und sittenwidriges Verhalten verfolgt. Und Teil der Hetzjagd sind auch die staatstreuen ägyptischen Medien. Sie fragten sich, warum der Regierungschef das Konzert nicht unterbunden hat. Die Medien verlangten, dass gehandelt wurde. Und genau das ist passiert: Mindestens 22 junge Fans wurden unmittelbar in direktem Zusammenhang mit ihrem Konzertbesuch festgenommen. Andere in den darauffolgenden Tagen. Amnesty International hat 33 Fälle gezählt.

Bei einer Frau, die festgenommen wurde, sagen die Behörden, mit der Regenbogenfahne werde Werbung für "sexuelle Abweichung" gemacht. Und das ist verboten. "Gewohnheitsmäßge Ausschweifung" heißt der zweite, etwas nebulöse Tatbestand. Ein 19-Jähriger soll von einem Schnellgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt worden sein. Und mindestens fünf Festgenommene wurden gezwungen, sich körperlich untersuchen zu lassen, so Menschenrechtsorganisationen. Dabei geht es um Analuntersuchungen, mit denen die Behörden homosexuelle Handlungen nachweisen wollen. Eine Prozedur, die Folter gleichkommt, so Amnesty.

Mashrou`Leila selbst ist vom ägyptischen Musik-Syndikat mit einem Auftrittsverbot belegt worden. Die Band tourt mittlerweile durch die USA. Cornelia Wegerhoff hat mit dem Schlagzeuger Carl Gerges telefoniert. Er meinte, die Band sei geschockt, aber man wolle sich erst mal zurückhalten, um für die Fans nichts zu riskieren. Am Montag dann ein Statement auf der Facebook-Seite von Mashrou‘ Leila. Die Band schreibt über ein brutales Vorgehen. In Ägypten herrsche ohnehin "eine Atmosphäre der Angst", egal, um welche sexuelle Orientierung es gehe. Was die Band in den letzten Tagen erlebt habe, sei der blanke Horror. Die Kampagne der ägyptischen Medien, die Homophobie, die brutale Vorgehensweise der Sicherheitskräfte seien inakzeptabel, ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Mashrou Leila fordert das Ende dieser "Hexenjagd" und die sofortige Freilassung aller Betroffenen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Mashrou Leila Feindseligkeit entgegenschlägt. Im vergangenen Jahr gab es ein Auftrittsverbot in Jordanien. Da fand das Konzert aber erst gar nicht statt. In ihrer libanesischen Heimat gibt es zwar auch konservative Kräfte, insgesamt sei das Land aber liberaler als Ägypten, sagt Cornelia Wegerhoff. Mashrou Leila sind dort sehr populär. Und auch die Szene im Libanon ist geschockt über die Vorfälle in Ägypten und zeigt sich solidarisch. Zum Beispiel Wassim Bou Malham, Leadsänger der libanesischen Alternative-Rockband "Who killed Bruce Lee".

"Das Auftrittsverbot und das, was schon vorher in Jordanien passiert ist, zeigt der ganzen Welt, wie rückständig manche im Nahen Osten noch denken."
Wassim Bou Malham, Leadsänger der libanesischen Alternative-Rockband Who killed Bruce Lee

Es gebe noch viel zu kämpfen, für die Rechte aller, die anders sind. Jeder habe das Recht zu sein, was immer er mag. Und Omar Abi Azar von der mehrfach international ausgezeichneten Theaterkompanie Zouqaq in Beirut ist sich sicher: Was Mashrou`Leila machen, sei für viele arabische Länder wichtiger und werde einen größeren Wandel herbeiführen, als alles, was irgendein arabischer Führer bis jetzt geschafft habe. Selbst wenn einige Fans dafür einen hohen Preis zahlen müssen.