Am 18. Januar rollt Tan Caglar das erste Mal über den Fashion-Week-Laufsteg. Dabei sollte es nichts Besonderes sein, dass ein Rollstuhlfahrer modelt.

Der 35-Jährige Tan Caglar ist seit ein paar Jahren Basektball-Profi und schauspielert auch seit einiger Zeit. Dabei war vor ungefähr sieben Jahren klar, dass er ohne Rollstuhl keine Strecke mehr machen kann. Was folgte waren Depressionen - bis er ein Basketball-Spiel sah, mit Rollstuhlfahrern. Er begann mit dem Training, suchte sich ein Mannschaft und seit 2011 hat er einen Profi-Vertrag. Mehr und mehr tritt er jetzt mit seiner Behinderung in der Öffentlichkeit auf. Sein nächster großer Auftritt: Die Fashion Week in Berlin, als erster Rollstuhlfahrer.

"Ich bin sehr gespannt, was die Designer sich einfallen lassen. Ich habe einen bestimmten Stuhl für den Alltag dabei, der ist recht klar von den Farben, komplett schwarz mit weißen Speichen. Wenn ich sehr bunte Klamotten anhabe, würde sich das beißen. Für Designer eine absolute Herausforderung."
Tan Caglar, Roll-Model

Die Profis aus der Modewelt werden aber nicht nur durch Tans Rollstuhl designerisch herausgefordert, sondern auch in ihrem Umgang mit einem Menschen mit Behinderung. Manche kämen doch oft ins Stolpern bei ihrer Wortwahl wie "über den Laufsteg gehen", erzählt Tan. "Natürlich laufe ich für euch", antwortet er dann, weil das Rollen für ihn sein Laufen ist. Wobei für Tan die große Herausforderung sein wird, wie schnell er fahren und wie er sich auf dem Laufsteg bewegen kann, damit die Abläufe aller Models harmonieren.

"Ich möchte Inklusion schaffen, ich möchte, dass es zur Realität wird."
Tan Caglar, Roll-Model

Inklusion ist für Tan das bestimmende Thema, wobei er zugibt, dass ihm das Wort überhaupt nicht gefalle. Eher finde er es ein Armutszeugnis, dass unsere Gesellschaft sich Wörter einfallen lasse, um damit Menschlichkeit zu umschreiben.

"Ich sehe meine Aufgabe darin, an Schulen zu gehen, viel mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten", sagt Tan. Dabei arbeite er vor allem mit Menschen ohne Handicap, denn die müssten sensibilisiert werden: "Wie kriegt man die Leute dazu, Inklusion wirklich zu leben?", stellt Tan die Frage in den Raum.

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