Constantin Sander coacht Führungskräfte. Also diejenigen, deren Feedback besonders gefragt ist. Bei den meisten Chefs muss er zunächst mal mit Vorurteilen aufräumen. Zum Beispiel mit dem, dass Feedback eine Einweg-Kommunikation ist.

Die meisten Menschen haben eine sehr technische Vorstellung davon, was ein Feedback ist. Kein Wunder, denn der Begriff kommt schließlich aus der technischen Sprache. Aber genau deshalb haben Feedback-Gespräche oft nicht den gewünschten Effekt. Denn Menschen sind eben keine technische Anlage, bei der man einfach einen Schalter umlegt und schon wird der gewünschte Effekt erzielt.

"Wir Menschen sind ja keine trivialen Systeme, keine Maschinen, sondern lernende Systeme, wenn wir das mal technisch ausdrücken wollen."
Cornelius Sander ist Doktor der Biologe und coacht Führungskräfte

Wenn wir also einem Menschen ein Feedback geben, dann können wir nicht einfach bestimmen, was am Ende dabei raus kommt. Menschen werten, gewichten und interpretieren. Deshalb sollte ein Feedbackgespräch immer ein Dialog sein und keine kommunikative Einbahnstraße. Wer Feedback gibt, muss sich darüber im Klaren sein, was er damit erreichen will. Und er muss auch damit rechnen, dass sein Gegenüber eine eigene Wahrnehmung hat - und eigene Wünsche.

"Wir produzieren unsere Realität im Kopf. Es gibt keine allgemeinen Realitäten, außer solche, die ich durch messbare Fakten unterlegen kann."
Wahrnehmungen können nur im Dialog ausgetauscht werden, sagt Cornelius Sander

Persönlichkeit und Verhalten trennen

Feedback sollte also immer als Angebot verstanden werden. Als ein Angebot dem Gegenüber seine Wahrnehmung mitzuteilen, aber auch als ein Angebot, sich die Wahrnehmung des anderen anzuhören. Dazu gehört es ein Stück weit auch, diese Gespräche ergebnisoffen zu führen. Die größte Schwierigkeit dabei ist es, das Verhalten eines Menschen von seiner Persönlichkeit zu trennen.

Hinter dem Satz: "Du räumst nie deinen Teller in die Spülmaschine" verbirgt sich oft die Annahme, dass das mit Absicht geschieht oder aus Faulheit. Geschickter sind da Ich-Botschaften, die eine Wahrnehmung ausdrücken, wie: "Ich hab gesehen, dass du gestern Abend deinen Teller nicht in die Spülmaschine geräumt hast. Das ist mir schon öfter aufgefallen." Dann hat der andere zumindest eine Chance, Stellung zu beziehen und fühlt sich nicht direkt angegriffen.

Auch Chefs brauchen Feedback

Viele Chefs wissen auch oft gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, Feedback zu bekommen. Denn je höher man auf der Karriereleiter steigt, desto seltener erhalten Menschen Rückmeldung über ihre Leistungen oder ihr Verhalten. Dabei brauchen auch Chefs Feedback, um sich zu verbessern - oder damit das Betriebsklima gesund bleibt. Zu wenig Feedback führt oft zu Selbstüberschätzung.

"Zu mir hat mal mal ein Chef gesagt: 'Ich mach zu 99 Prozent keine Fehler‘. Dazu hab ich gesagt: ‚Sie bekommen wahrscheinlich zu 99 Prozent kein Feedback'."
Cornelius Sander erklärt, was passiert, wenn Chefs kein Feedback erhalten

Drei Tipps vom Profi:

  1. Stufe: Zunächst mal wertfrei die eigene Wahrnehmung äußern
  2. Stufe: Formulieren, wie diese Wahrnehmung auf mich gewirkt hat
  3. Stufe: Eine Bitte oder einen Wunsch formulieren, wie eine Optimierung der Situation erreicht werden kann

Und natürlich: immer daran denken, dass das Gegenüber auch mitreden darf.