Die Welt könnte so einfach sein, wäre sie ein Disney-Film. Ist sie aber nicht. Aus den Filmen lässt sich aber vieles über Feinbilder im Populismus lernen.

Lea Grimm forscht an der Goethe-Universität Frankfurt über Populärkultur und hat die Darstellung des Bösen in Disneyfilmen untersucht. Das Böse oder Feindbilder werden zum einen an Einzelfiguren wie Cruella de Vil aus "1001 Dalmatiner" oder der Großwesir aus "Aladdin" festgemacht. Zum anderen sind es Antagonistengruppen wie die Hunnen in "Mulan" oder die Hyänen in "Der König der Löwen".

"Schema F" des Disneyfilms

Diese Figuren oder Gruppen folgen einem bestimmten Schema, nach dem Disneyfilme konzipiert werden:

  • Leichte Unterhaltung
  • Eingängige Filmsongs
  • Happy End
  • Humoristische Szenen
  • Überzeichnete Bösewichte

Der böse Charakter ist bei den Widersachern immer sofort durch die Art der Zeichnung, das Verhalten und den Charakter erkennbar. Die zeichnerische Übertreibung zeigt sich daran, dass die Figuren zu dünn oder zu dick, hässlich oder mit fiesen Gesichtszügen gezeichnet werden, "sodass der Zuschauer das sofort einordnen kann, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört", erklärt Lea Grimm.

Massentauglichkeit von Populärkultur

Diese Vereinfachungen und Schematisierungen sind ein Merkmal von Populärkultur, sagt Lea Grimm. Das sei ein Prinzip, um die Massenrezeption anzufachen, also um einen Film massentauglich zu machen. Ein typisches Beispiel für dieses Schema ist der Film " Der König der Löwen".

"'Der König der Löwen' ist ein typischer Film mit Happy End. Ein Paradebeispiel für das Familienfilmkonzept."
Lea Grimm, Literaturdidaktin an der Goethe-Universität Frankfurt

Die Rollen von Gut und Böse sind in "Der König der Löwen" klar verteilt. Auf der einen Seite steht der Löwe Mufasa, der Gute – auf der anderen Seite sein neidischer Bruder Scar, der gerne König wäre. Gleichzeitig gibt es die Gruppe der als Gut dargestellten Löwen, und die Gruppe der bösen Hyänen.

"Zoomania" bricht mit den üblichen Mustern

Aus diesem Raster fällt der Disneyfilm "Zoomania", sagt Lea Grimm, weil man bis zum Ende nicht weiß, wer gut und wer böse ist. Der Film ist wie eine Tierparabel aufgebaut und könnte demnach für ein menschliches politisches System stehen. Außerdem werden die Zuschauerinnen und Zuschauer fortlaufend bis zum Schluss in die Irre geführt.

Der Überraschungseffekt kommt am Schluss, weil das unschuldige Schaf Bellweather die Böse ist, die im Hintergrund die Fäden zieht, um die vermeintlich bösen Raubtiere wegzusperren und die Vorherrschaft der nichtbösen Tiere und ihre eigene zu sichern.

Aus Populärkultur lernen

Lea Grimms Untersuchungen fließen unter anderem auch in die politische Bildung an Schulen ein. Die Populärkultur könne dabei sinnvolle Informationen liefern und Bildungswert haben, sagt sie. Dafür eigne sich zum Beispiel "Zoomania" sehr gut, weil es darin einige überraschende Wendungen gibt. Weil dieser Film aus dem üblichen Gut-Böse-Schema ausbricht, lasse sich daran üben, wie man sich als mündiger Zuschauer nicht von einfachen Schemata verführen lässt.

Denkprozesse anstoßen

Diese Strickmuster könnten im Unterricht analysiert und entlarvt werden. Dadurch würden dann Reflexionsprozesse bei den Schülern und Schülerinnen in Gang gesetzt, sodass sie beginnen, Klischees und Stereotype zu erkennen und darüber nachzudenken.

Lea Grimm empfiehlt schrittweise vorzugehen, um Feindbilder zu dekonstruieren:

  1. Was ist ein Feindbild im Populismus?
  2. Was ist ein Feindbild bei den Disneyfilmen?
  3. Inwieweit fällt "Zoomania" aus dem Schema heraus?
  4. Wie kann man kritisch auf die einseitige Vermittlung von Feindbildern reagieren?
"Diese Denkanstöße in den Unterricht hineinzugeben, halte ich für sehr wichtig."
Lea Grimm, Literaturdidaktin an der Goethe-Universität Frankfurt

Denn sobald einer bestimmten Personengruppe etwas zugeschrieben und pauschalisiert wird, kann die einfache Einteilung in Gut und Böse problematisch werden. Eine Pauschalisierung ist beispielsweise: Alle Franzosen trinken Wein. Solche pauschalen Urteile oder Vorverurteilungen führen zu den Feindbildern im Populismus, sagt Lea Grimm.

Junge Zuschauerinnen nehmen aus solchen populärkulturellen Filmen vor allem das Happy End mit: Das Gute wird belohnt und das Böse bestraft – genau wie in Märchen. Außerdem nehmen sie ein schönes, wohliges Gefühl aufgrund der Filmsongs mit, die sie später nachsingen könnten.