Oft sitzen wir in unserer Blase, in der alle die gleiche Vorstellung vom Leben haben und sich meist auch politisch einig sind. Aber was passiert eigentlich, wenn wir in Freundschaften eine total andere Haltung haben? Darüber sprechen wir in dieser Ab-21-Ausgabe.

Konstanze und François-Louis haben zusammen studiert und sind seit über fünfzehn Jahren sehr enge Freunde. Er hat schon immer gern diskutiert, sich sehr für Politik interessiert und eine besondere Liebe für ihre gemeinsame Heimat Frankreich gezeigt. Das war für Konstanze soweit völlig ok, aber dann hat sich François-Louis 2016 als Anhänger des rechtspopulistischen Front National geoutet.

"Es war ein Schreck und ich habe mich gefragt, ob ich tatsächlich noch mit so einem Menschen befreundet sein kann."
Konstanze Fischer, Deutschlandfunk-Nova-Mitarbeiterin

Konstanze hat eine andere politische Einstellung und war erst mal geschockt, dass sich ihr Freund für gerade diese Partei engagiert. Fraçois-Louis ist nach der Präsidentschaftswahl 2017 aus der Partei ausgetreten, die inzwischen Ressemblement National heißt, aber er stimmt immer noch mit deren Forderungen über ein.

Warum Konstanze trotz ihrer politischen Differenzen immer noch gut mit François-Louis befreundet ist, erzählt sie uns im Podcast.

Wir brauchen ein gewisses Maß an Identifikation, um Freundschaft schließen zu können

Wenn wir uns neue Freundinnen und Freunde suchen, ist immer ein gewisses Maß an Gemeinsamkeiten nötig, sagt Svenja Wiertz vom Institut für Philosophie an der Universität in Düsseldorf. Sie hat unter anderem dazu geforscht, wie tolerant wir in Freundschaften sind.

"Toleranz wird mir dann abverlangt, wenn ich Dinge aushalten muss, die ich nicht gut finde."
Svenja Wiertz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

"Wir brauchen mindestens ein gemeinsames Projekt", sagt sie. Das kann aber auch ein einziges gemeinsames Hobby sein, bei dem wir uns nur über eine Sache unterhalten und zum Beispiel sensible Themen wie Politik aussparen.

Je enger die Freundschaft ist, desto größer sei auch der Anspruch, über alles sprechen zu können. Da sei kein Thema Tabu, und es komme bei unterschiedlichen Meinungen eher zu Konflikten. Welcher Lebensbereich uns dabei am wichtigsten ist, sei sehr individuell, sagt Svenja Wiertz.

Linda Sabiers möchte Freundschaften, in denen es eine moralische Übereinkunft gibt

Je älter sie geworden ist, desto wichtiger war es Autorin Linda Sabiers, mit ihren Freundinnen und Freunden moralisch auf einer Linie zu sein. Das bedeutet, dass in ihren Freundschaften mittlerweile mindestens ein Konsens darüber herrscht, dass die Gleichstellung der Frau, die Unterstützung von sozial schwächeren Menschen und Nächstenliebe wichtige Themen sind. Welche Freundschaften deshalb schon zerbrochen sind, erzählt Linda im Podcast.

Podcast zur Sendung
  • Ab 21
  • Moderation:  Dominik Schottner
  • Gesprächspartnerin:  Konstanze Fischer, Deutschlandfunk Nova
  • Gesprächspartnerin:  Stefanie Wiertz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Gesprächspartnerin:  Linda Sabiers, Autorin