Ein Artikel in der Emma rechnet mit den sogenannten Netzfeministinnen ab. Wir haben uns die Diskussion mal genauer angeschaut.

In der Zeitschrift "Emma" ist gerade ein Artikel erschienen, der den Titel trägt: "Berliner Szene: Die Hetzfeministinnen". In diesem anonym verfassten Artikel geht die Autorin oder gehen die Autorinnen hart mit anderen Feministinnen ins Gericht. Unter anderem geht es um Anne Wizorek, die 2013 #aufschrei initiiert hatte.

Die Frauen, die hinter der Initiative #ausnahmslos stehen, werden angegriffen. Die Emma schreibt zum Beispiel: "Wenn diese Netzfeministinnen finden, dass die anderen die falsche Position haben, dann verbieten sie ihnen eben einfach den Mund, mehr noch: Sie diskreditieren sie." Und auch das Missy Magazin kommt in dem Artikel zur Sprache.

"Der Hauptgrund für den Artikel war, dass immer öfter in letzter Zeit an uns herangetragen wurde, dass die Diskussionskultur von einer enormen Feindseligkeit geprägt ist und, dass es offensichtlich ein Klima der Einschüchterung gibt."
Chantal Louis, Redakteurin bei der Emma

Die zwei Feminismus-Lager, die sich hier auftun, haben zum Beispiel inhaltliche Differenzen, wenn es um das Thema "Prostitution" geht. Für die eine Seite (die sogenannten Netzfeministinnen) ist freiwillig ausgeübte Prostitution eine akzeptable Arbeit. Für Feministinnen, die zum Beispiel hinter der Emma stehen, ist Prostitution unvertretbar, weil sie deren Meinung nach unvereinbar ist mit selbstbestimmter Sexualität.

Warum streiten sich die beiden feministischen Lager? Emma-Redakteurin Chantal Louis sagt, dass die Diskussionskultur, die die Netzaktivistinnen verbreiten, feindselig und einschüchternd sei.

"Es gibt nicht den einen Feminismus, das ist auch ganz klar. Und wenn wir unterschiedliche Haltungen haben, müssen wir uns inhaltlich darüber auseinandersetzen."
Chantal Louis, Redakteurin bei der Emma

Hengameh Yaghoobifarah ist Redakteurin beim Missy Magazin und sieht die Sache ein bisschen anders. Sie sagt, es stimme zwar, dass Leute Kritik im Netz manchmal sehr harsch formulieren und ungeduldig mit anderen sind. Aber: "In der Rhetorik, wie die Emma das zu kritisieren versucht, hat das sehr viele Parallelen zu der Art, wie rechte Leute von feministischer Zensur sprechen. Also, dass es vermeintliche Denkverbote gebe oder man darf gar nichts mehr sagen." Auch der Emma-Artikel erwähnt solche Denkverbote. Es geht auch darum, dass Political Correctness sehr groteske Züge annehme.

"Diese Kritik, die Leute an der Emma haben, die gibt’s ja nicht erst seit vorgestern, die gibt’s ja seit Jahren. Und die wird total ignoriert. Also die Emma ist da sehr kritikresistent."
​Hengameh Yaghoobifarah, Redakteurin beim Missy Magazin
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