Die Festival-Saison 2020 war vorbei, bevor sie überhaupt anfing – so hat es sich zumindest in den letzten Monaten angefühlt. Doch einige Festivalbetreiber wollen es diesen Sommer mit unterschiedlichen Konzepten trotzdem wagen.

Rock am Ring, Hurricane oder Haldern Pop – für viele Festivals war spätestens Anfang Mai 2020 klar: Dieses Jahr wird das nichts mit einer Großveranstaltung. Die Tickets wurden deshalb in den meisten Fällen auf das kommende Jahr transferiert, zurückgezahlt oder als Spende angenommen.

Andere Festival-Betreiber wollten sich mit einer Absage nicht zufriedengeben und haben sich deshalb in den letzten Wochen Corona-kompatible Festivalkonzepte ausgedacht. Das ist kreativ, aber auch riskant. Denn sollte es auch dann nicht klappen, könnten vor allem kleine Festivals wie das Immergut Festival in Mecklenburg-Vorpommern schnell vor dem finanziellen Aus stehen.

"Park Sessions" über mehrere Wochen

Das Juicy Beats im Dortmunder Westfalenpark hatte letztes Jahr noch mehr als 50.000 Besucherinnen und Besucher. Dieses Jahr werden es nur 350 sein – pro Konzert. Denn das Konzept sieht vor, die Konzerte über den ganzen Sommer zu verteilen.

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Mit kleinen Outdoor-Konzerten werden die Besucher dann die sogenannten "Park Sessions" genießen können – mit genug Abstand und Sitzplätzen.

Abgesteckte Feier- und Campingplätze

Mehr Festival-Feeling wird vermutlich beim Electro-Festival Electrisize aufkommen, das an vier Wochenenden Ende Juli und Anfang August in Erkelenz im Kreis Heinsberg stattfindet. Das Konzept: ein Konzertgelände in Kuchenform.

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In der Mitte wird es eine Rundbühne geben, auf der die DJs auflegen. Das Gelände rundherum wird in sechs kleine Campingplätze in der Form von Tortenstücken für jeweils 100 Menschen aufgeteilt werden. Jeder Bereich ist so groß wie ein Fußballfeld und hat eine eigene Infrastruktur mit Ein- und Ausgängen, Toiletten sowie Essens- und Getränkeständen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Peters.

Einlasscheck und hohe Trennzäune

Ihre zugeteilten Bereiche dürfen die Besucherinnen dann während des gesamten Wochenendes nicht verlassen. Zwar soll keine "Gefängnisatmosphäre" aufkommen, dennoch sind die Bauzäune zwischen den Bereichen so hoch, dass man nicht so einfach darüber klettern kann, erzählt der Veranstalter Dominik Mercks von der Eventagentur Kulturgarten. Um die einzelnen Besucher ihren Bereichen zuordnen zu können, erhalten sie farbige Armbändchen, die an den Eingängen vom Sicherheitspersonal gecheckt werden.

"Die Besucher werden mit verschiedenfarbigen Bändchen ausgestattet, so dass der Sicherheitsdienst immer schnell sehen kann, bist du hier im richtigen Segment oder gehörst du hier nicht hin, so dass wir schon glauben, dass man die Leute wirklich gut voneinander trennen kann."
Dominik Mercks, Veranstalter des Electrisize-Festivals

Innerhalb der Sektoren gelten die Regeln des Bundeslandes Nordrhein-Westfahlen: Maximal zehn Leute dürfen zusammen sein. Seine Zeltnachbarn zum Grillen einzuladen oder zu einer Runde Flunkyball herauszufordern, das ist schon drin, sagt Dominik Peters.

Das Kreisgesundheitsamt Heinsberg hat bereits sein Okay für das Konzept gegeben. Nun fehlt nur noch die Genehmigung, dass das Gelände, so wie es im Bauplan steht, genehmigt wird. Das ist jedoch eine Standard-Routine bei jeder Veranstaltung.

Planen mit Unsicherheit

Die Veranstalter des Immergut Festivals in Neustrelitz sind dagegen noch nicht so positiv gestimmt. Eigentlich hätte das Festival im Mai stattfinden sollen, dann wurde es in den September verschoben. Doch, wie die Lage im September aussehen wird, das wissen die Veranstalter noch nicht und können nur mit Unsicherheiten planen.

Jetzt einen Rückzieher zu machen, sei schwer, sagt Mitveranstalterin Stefanie Rogoll. Denn sollte es keine offizielle Absage der Behörden geben, könnten einige Regressansprüche der Besucher kommen. Für das kleine Festival wäre das vermutlich das finanzielle Ende, sagt Stefanie.

"Jetzt kommen wir aus der Nummer natürlich nicht mehr ganz so leicht raus, weil sobald wir nicht die offizielle Absage von den Behörden kriegen, sind wir anfällig für Regressansprüche."
Stefanie Rogoll, Mitveranstalterin des Immergut-Festivals

Die Frage, wie das Konzept des Immergut-Festivals aussehen soll, ist hier noch völlig offen. Im Nachhinein wäre es wohl die "bequemere Variante" gewesen, das Festival bereits im Mai komplett abzusagen, sagt Stefanie Rogoll. Jetzt müssten sie es aber durchziehen.