An vielen Filmsets laufen die Dreharbeiten trotz der Corona-Pandemie weiter. Für die Produktionsteams heißt das: Umdenken und auf Abstand statt Berührung setzen. Denn gerade für Kuss- oder Sexszenen scheint ein Mund-Nasen-Schutz eher hinderlich.

Explizite Sexszenen kennen wir aus Serien oder Filmen. Wir sind es gewohnt, viel Haut und Körperkontakt zwischen Darstellern zu sehen. Bei vielen Filmproduktionen soll das weiterhin so bleiben – sie sollen zeitlos sein. Denn eine Pandemie lässt sich nur bedingt in den Erzählverlauf einer Serie einbetten. Wie also Nähe und Intimität auf dem Bildschirm zeigen und gleichzeitig die Corona-Hygienemaßnahmen einhalten?

Drehen wie in den 1950er Jahren

Das Produktionsteam der ARD-Soap-Opera Rote Rosen orientiert sich an Filmproduktionen aus einer Zeit, in der Sexszenen auf der Leinwand noch ein No-Go waren. "Unsere Regisseure haben sich darauf zurückbesonnen, wie man früher Filme erzählt hat. Wo es gereicht hat, anzudeuten, worauf das Ganze hinausläuft. Und dann flog vielleicht noch eine Bluse durchs Bild und der Zuschauer konnte sich denken, was passiert ist", erklärt Daniela Behns, Pressesprecherin bei den Roten Rosen.

"Aktuell müssen die Schauspieler Liebe über die Mimik erzählen und Verzweiflung auch über die Augen versuchen auszudrücken."
Daniela Behns, Pressesprecherin bei der ARD-Telenovela Rote Rosen

Szenen, bei denen es weniger auf Körperkontakt ankommt, setzen sie wiederum mit Abstand um. Geht es zum Beispiel um eine Beerdigung, achtet Aufnahmeleiter Ed auf den passenden Sicherheitsabstand zwischen den Darstellern. Mit seiner Abstandshilfe, einem schwarz-gelb gestrichen Holzstück, stellt Ed die Schauspieler dann einfach eineinhalb Meter entfernt voneinander auf ihre Positionen.

Sitzen zwei Personen in einer Szene an einem Tisch oder im Auto, kann die Filmcrew ihre Parts auch jeweils getrennt voneinander aufnehmen, erklärt Daniela Behns. Das ist der sogenannte Stopptrick. Im Schnitt entsteht aus den getrennten Aufnahmen dann ein gemeinsames Bild, das beide Darsteller zeigt. Funktioniert gut, ist aber aufwändig, sagt sie.

Viel Umdenken für scheinbar echte Nähe

Auch die Kameraposition kann auf dem Bildschirm Nähe zwischen Schauspielern erzeugen, obwohl sie den Sicherheitsabstand einhalten. Bei den Tatortproduktionen vom SWR kommt dieser Trick beispielsweise bei Dialogen auf der Straße zum Einsatz. Stellen die Crew die Kamera weit entfernt von den Schauspielern und arbeiten mit einem speziellen Objektiv, das eine lange Brennweite erzeugt, ist der Abstand zwischen den Personen auf dem Bildschirm weniger deutlich, erklärt Tatort-Filmproduzent Nils Reinhardt.

"Wir probieren teilweise mit der Kamera eine Nähe herzustellen, in der die Schauspieler ganz real den Sicherheitsabstand einhalten."
Nils Reinhardt, Filmproduzent für unter anderem die Tatortproduktionen des SWR

Für den Filmkuss in Quarantäne

Braucht es für die Geschichte der Serie oder des Filmes aber tatsächlich einen Kuss, ist das also entscheidend für die Dramaturgie, heißt es für die Darstellerinnen und Darsteller: Quarantäne. Und erst mit einem negativen Corona-Test dürfen sie die Szene mit Körperkontakt dann drehen.