Aktien sind als Geldanlage in Deutschland recht unbeliebt. Der Grund: Angst vor der falschen Entscheidung und falsche Vorstellungen. Ein Börsenjournalist verrät, wie sich das Risiko verringern lässt.

Inflation und niedrige Zinsen machen das klassische Sparen zu einem Verlustgeschäft. Die Skepsis gegenüber Aktien als Anlageform hält sich dennoch hartnäckig. Nicht ohne Grund: Der ARD-Korrespondent im Frankfurter Börsenstudio, Victor Gojdka, erinnert an zwei Ereignisse der jüngeren Wirtschaftsgeschichte, die zu starken Verlusten an den Börsen geführt haben: die Finanzkrise ab 2007 und die sogenannte Dotcom-Blase im März 2000. Er weist außerdem darauf hin, dass der Umgang mit Finanzen kein Schulstoff ist.

Victor Gojdka sagt, dass der Blick in die Vergangenheit trotzdem für den Aktienkauf spricht. Wer zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt in DAX-Aktien investiert hat, sei nach 15 Jahren wieder auf Null raus. Studierende und Berufsanfänger hätten also bis zur Rente noch rund 40 Jahre, könnten also ihr Geld länger als 15 Jahre anlegen.

"Wenn es in der Zukunft so läuft wie in der Vergangenheit, ist die Wahrscheinlichkeit zumindest so einigermaßen da, dass man irgendwie in grüne Gefilde kommt."
Victor Gojdka, ARD-Korrespondent im Börsenstudio Frankfurt

Um in Unternehmensanteile zu investieren, muss man nicht reich sein, sagt Victor Gojdka. Mit einem Aktiensparplan geht das ab monatlich 25 Euro. Die Höhe lässt sich eigentlich fast beliebig regeln. Ein besonderes Vorwissen ist ansonsten nicht erforderlich. In einzelne Aktien sollte aber nur investieren, wer sich richtig auskennt.

Trend zur Nachhaltigkeit

Eine Möglichkeit das Risiko einzugrenzen ist, einen Aktienkorb zu kaufen. Da müsse man auf die Höhe der Gebühren achten, die seien teilweise überzogen. Wer beim Anlegen auch ethische Fragen berücksichtigen möchte, liegt mit nachhaltigen Anlagen im Trend, sagt Victor Gojdka. Viele Privatanleger und selbst Profianleger, würden immer genauer hinschauen. Es gebe inzwischen auch nachhaltige Fonds, berichtet er. Manche Fonds schließen Ölunternehmen oder Waffenhersteller aus.

"Man muss wirklich genau hingucken. Viele Fonds haben zum Beispiel ein grünes Label, wenn man genauer hinschaut sind trotzdem Ölunternehmen drin."
Victor Gojdka, ARD-Korrespondent im Börsenstudio Frankfurt

Um Aktien zu kaufen, muss man heute nicht mehr in die Filiale. Viele Transaktionen lassen sich inzwischen über Apps abwickeln, allerdings sollte man hier nicht nur auf die Höhe der Gebühren achten, sondern auch darauf, welche Fonds überhaupt angeboten werden. Eine gute Beratung liefern in der Regel Verbraucherzentralen, sagt Victor Gojdka.

"Am besten zu einer Verbraucherzentrale gehen, sich mal beraten lassen. Das kostet gar nicht so viel und da kann man wirklich eine fundierte und vor allem unabhängige Meinung bekommen."
Victor Gojdka, ARD-Korrespondent im Börsenstudio Frankfurt

Bei aller Vorsicht und auch trotz guter Information birgt der Aktienkauf Risiken. Damit müsse man umgehen können.

"Jeder, der sagt, Aktien sind total sicher, der lügt einfach. Aktien haben Risiko und dessen muss man sich bewusst sein. Dann muss man lernen, mit diesem Risiko umzugehen."
Victor Gojdka, ARD-Korrespondent im Börsenstudio Frankfurt

Die Vorstellung, die Börse seine eine Zockerbude, jeder Aktienbesitzer müsse jeden Tag hin- und herhandeln und sich ständig die besten Tipps holen, sei falsch. Wer ständig den Wert seiner Aktien kontrolliere, mache auch am ehesten Fehler und laufe Gefahr, Geld zu verlieren.

"Das ist eigentlich der garantierte Weg zum Geldverbrennen, weil man jeden Tag etwas falsch machen kann. Davon würde ich wirklich abraten."
Victor Gojdka, ARD-Korrespondent im Börsenstudio Frankfurt

Er rät dazu langfristig zu investieren und erst nach Jahren wieder auf den Wert zu gucken und zu hoffen, dass er gestiegen ist.