In Finnland lief das größte europäische Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen. Die abschließende Bewertung des Projekts zeigt positive Effekte bei den Teilnehmenden – auf den Beschäftigungsstatus wirkte sich das monatliche Gehalt jedoch nur bei wenigen aus.

2000 zufällig ausgewählte arbeitslose Finninnen und Finnen hatten zwei Jahre lang jeden Monat steuerfrei und ohne Bedingungen 560 Euro bekommen, statt der normalen Arbeitslosenhilfe - es war ein bedingungsloses Grundeinkommen. In manchen Fällen war das nicht mal mehr Geld als die bisher gezahlte Arbeitslosenhilfe. Die größten Unterschiede: Das bedingungslose Grundeinkommen erhielten sie einfach so: Keine Anträge, keine Formulare, keine Bürokratie. Und sie durften zu den 560 Euro so viel dazu verdienen, wie sie wollten.

Der Versuch lief in den Jahren 2017 bis 2018.

Deutliche Gesundheitseffekte

Forschende, unter anderem des sozialwissenschaftlichen Instituts der Universität Helsinki, haben das Projekt begleitet und untersucht, wie sich die regelmäßigen Zahlungen auf die Menschen auswirken. Jetzt haben sie ihre abschließenden Ergebnisse vorgestellt.

Den Teilnehmenden ging es laut der Studie durch das Grundeinkommen psychisch besser. Sie waren zufriedener und hatten mehr Vertrauen in ihre Mitmenschen. Allerdings half ihnen das Grundeinkommen nicht dabei, wieder neue Arbeit zu finden. Im Schnitt arbeiteten die Teilnehmenden pro Jahr nur sechs Tage mehr als die Menschen in der Kontrollgruppe ohne Grundeinkommen.

Kaum Arbeitsmarkteffekte

Das bedingungslose Grundeinkommen hat also nicht wesentlich zu einer Belebung des Arbeitsmarktes beigetragen und wird voraussichtlich deswegen in Finnland auch nicht flächendeckend eingeführt, vermutet unser Korrespondent Carsten Schmiester.

"Es zeichnet sich ab, dass Finnland eher kein Grundeinkommen einführt, sondern das System der sozialen Sicherung nur vereinfacht."
Carsten Schmiester, Korrespondent für Finnland

Eigentlich war die Annahme, das Grundeinkommen liefere einen Anreiz, einen Job zu finden. Tatsächlich ging die Zahl der Arbeitslosen in dem Versuchszeitraum zurück. Allerdings startete zum gleichen Zeitpunkt in Finnland ein sogenanntes Aktivierungsmodell. Damit sind weitere Anreize zur Jobsuche geschaffen worden. Welche der beiden Maßnahmen (Grundeinkommen und Aktivierungsmodell) wie stark zu diesem Effekt beigetragen hat, lässt sich nicht beantworten.

"Bei den meisten hat es nicht funktioniert, das ist das Ergebnis der Auswertung."
Carsten Schmiester, Korrespondent für Finnland

In dem Experiment ging es nur um arbeitslose Menschen, also nicht um ein bedingungsloses Grundeinkommen für jedermann. In einer Umfrage, die im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt durchgeführt wurde, gaben 46 Prozent der Befragten an, ein Grundeinkommen zu befürworten.

Dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Arbeitslosigkeit verringern soll, lässt sich als Ziel formulieren. Es gibt aber noch diverse andere Ziele, die ein solches Grundeinkommen verfolgen soll.