Auf Einladung von Kanzlerin Angela Merkel nimmt Präsidententochter Ivanka Trump ab heute am W20-Treffen in Berlin teil, dem Frauengipfel der G20. Ivanka Trumps erste offizielle Auslandsreise als Präsidentenberaterin führt sie also zu Merkel. 

Es war eine von vielen besonderen Szenen des denkwürdigen Antrittsbesuchs Merkels bei US-Präsident Donald Trump im März: Bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern saß die 35-jährige Trump-Tochter Ivanka neben der Kanzlerin - ohne offizielle Funktion. Heute werden beide Frauen in Berlin wieder aufeinandertreffen - mittlerweile ist die "First Daughter" auch offiziell Beraterin des Präsidenten.

Beim "Women20 Summit" nimmt die Jungunternehmerin an einer Podiumsdiskussion zum Thema "Stärkung von Frauen in der Wirtschaft" teil. Das W20-Treffen findet am 25. und 26. April im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft statt. Ziel der Veranstaltung ist es, Frauen in eine bessere wirtschaftliche Lage zu versetzen und ihnen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen.

"Ivanka hat Einfluss auf ihren Vater - zum Beispiel im Wahlkampf, in dem sie als mäßigende Stimme gesehen wurde."
Boris Vormann, Politikwissenschaftler vom John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin

Der Schachzug von Angela Merkel, mit Ivanka Trump eine Person zum W20-Gipfel einzuladen, die Einfluss auf den US-Präsidenten hat, sei "diplomatisch clever", sagt Boris Vormann, Politikwissenschaftler vom John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin. 

"Diplomatisch clever"

Die Frage, wie groß dieser Einfluss ist, stelle man sich ja überhaupt erst, weil man nicht genau wisse, wie Trump überhaupt agieren möchte. Seine Strategien seien in vielen Politikfeldern nicht klar - er habe bisher keine langfristigen Strategien kundgetan.

"Donald Trump ist ein Fixstern, der sich um sich selbst dreht. Seine Position ändert sich oft."
Boris Vormann, Politikwissenschaftler

Dabei verwickele sich der Präsident in viele Widersprüche - auch wenn er selbst keine Widersprüche von anderen dulde. Trump habe sich viele unterschiedliche Kräfte ins Boot geholt - Ultrarechts, republikanisches Establishment und die Familie um ihn herum, die versuche, zu vermitteln.

Mehrere Lager

Oft scheine ihm nahegelegt zu werden, hart durchzugreifen - eine Eigenschaft, die er sich wohl auch über die Jahrzehnte in seinem Business angeeignet habe.

"Es scheint, dass Ivanka Trump für das Subtilere und Nuanciertere zuständig ist."
Boris Vormann, Politikwissenschaftler

Trump sei kein Berufspolitiker. Er sei es gewohnt, zu delegieren, von oben zu bestimmen und Ansagen zu machen. Die Art und Weise, wie er das Weiße Haus eingerichtet hat, zeuge zudem von einer Art "absolutistischem Dünkel" á la Ludwig XIV. in Versailles.

"Mit diesem Politikstil eckt man an in einer Demokratie. Das hat Ivanka besser verstanden als ihr Vater."
Boris Vormann, Politikwissenschaftler

Ivanka war vor allem als Geschäftsfrau tätig. Was die Frauenbewegung angeht, habe sie nicht sehr viel vorzuweisen. Im Wahlkampf habe sie allerdings immerhin viele familienpolitische Themen, etwa den Mutterschutz, nach vorne gestellt.

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