Der Zustrom der Flüchtlinge betrifft nicht nur Europa, sondern auch den Nahen Osten: In Jordanien, im Libanon, in der Türkei und im Nordirak leben rund 4 Millionen Flüchtlinge. Dass viele dieser Menschen nach Europa wollen, war schon vor zwei Jahren klar. Die europäischen Staaten haben nicht reagiert, sagt Kilian Kleinschmidt, der die österreichische Regierung in Flüchtlingsfragen berät.

Die dänische Regierung hat zur Abschreckung von Flüchtlingen Anzeigen in libanesischen Zeitungen geschaltet. Was soll das bringen? Wir haben Kilian Kleinschmidt gefragt. Er hat lange das Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien geleitet und berät heute die österreichische Regierung. Von den abschreckenden Werbeanzeigen der dänischen Regierung hält er nicht viel. Stattdessen wäre es sinnvoller, Anzeigen zu schalten, die zeigen, wie die Menschen auf legalem Weg nach Europa gelangen können. "Das ist die beste Abschreckung gegen illegale Einwanderung", sagt Kilian Kleinschmidt.

Im Nahen Osten ist die humanitäre Situation so schlecht, dass sich die Menschen von solchen Werbeanzeigen nicht abschrecken lassen, sagt Kilian Kleinschmidt. Das ist auch einer der Gründe, weshalb viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen wollen: Die Chancen auf Integration stehen gut, die Industrie hat Bedarf an Fachpersonal. Flüchtlinge hoffen hier Arbeit zu finden. In Ländern wie Jordanien oder Libanon, wo sich viele der Flüchtlinge zurzeit aufhalten, geht das nicht.

"Die Menschen können im Nahen Osten nicht mehr überleben, es gibt nicht mal mehr genügend Nahrungsmittel."
Kilian Kleinschmidt über die Situation der Menschen im Nahen Osten

Einwanderung auf legalem Weg

Die aktuellen Flüchtlingsströme kommen für Kilian Kleinschmidt nicht überraschend. Bevor er zum Berater für die österreichische Regierung wurde, hat er das Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien koordiniert: 120.000 Menschen leben dort nahe der syrischen Grenze. ZU Beginn des Syrienkriegs haben viele der Flüchtlinge noch gedacht, sie könnten irgendwann in ihre Heimat zurückkehren. Im Laufe der Zeit wurde ihnen aber klar: das geht nicht. Mittlerweile leben rund 4 Millionen syrische Flüchtlingen in Jordanien. im Libanon, in der Türkei und zum Teil im Nordirak - fast ohne Versorgung. "Diese Situation hätten wir schon vor langem angehen können. Und man hätte die legalen Kanäle öffnen können. Weil das nicht passiert ist, haben wir die jetzige Situation und müssen damit auch umgehen."

"Was jetzt auf uns zu kommt, war vor 1,5 bis 2 Jahren schon sichtbar."
Kilian Kleinschmidt über den derzeitigen Flüchtlingszustrom

Jetzt gehe es auch darum, dass Europa Signale in den Nahen Osten Signale sendet und sich auch dort für eine politische Lösung der Konflikte engagiert.