Die Idee hinter dem Projekt "Academic Experience Worldwide" ist so simpel wie gut: Ein hochqualifizierter, fertig studierter Geflüchteter gibt einem Studierenden Nachhilfe in seinem Fach, im Gegenzug hilft ihm der Student bei der deutschen Sprache, Behördengängen und anderen Herausforderungen.

Viele Asyl suchende in Deutschland haben in ihren Heimatländern beeindruckende Karrieren hinter sich, während sie hier nur geringfügig arbeiten können. Dies ist nicht nur schlimm für die Menschen, sondern bedeutet auch einen enormen Verlust an Potenzial.

Die Idee kam bei einem Bierchen

Eine Bar irgendwo in Frankfurt am Main im Dezember 2013: Merle Becker, Studentin der Konflikt- und Friedensforschung, berichtet ihrer Freundin und Philosophiestudentin Melusine Reimers bei einem Bier von einem Besuch bei ihren Eltern in einem kleinen Ort in Norddeutschland. Eigentlich redet hier jeder mit jedem, nur mit den Flüchtlingen, die hier seit 4 Monaten wohnen, hat noch niemand gesprochen. Wie kann das sein? Und wie ist es möglich, dass beide an der Uni so viele akademische Theorioen kennenlernen, die solche Probleme ansprechen und kritisieren, aber in der Praxis so wenig angewendet werden?

"Wenn wir uns drüber aufregen, dass es das nicht gibt, dann lass es uns doch einfach machen.“
Merle Becker, Mitgründerin von "Academic Experience Worldwide"

Mit dem Projekt "Academic Experience Worldwide“ haben die beiden Studentinnen eine Ausstauschplattform geschaffen, die Begegnungen zwischen hochqualifizierten Geflüchteten und Studierenden organisiert und Isolation brechen will. "Wir sind kein Hilfsprojekt", betont Merle, sondern sie wollen auf Augenhöhe mit den Asylbewerbern sein und das Klischee vom 'armen, ungebildeten Flüchtling' ändern.

"Es wächst gerade ganz wunderbar"

Vor allem die Tandempartnerschaften, die nicht das einzige Angebot des Projekts sind, finden großen Anklang. Der Asyl suchende profitiert von der kulturellen und sprachlichen Expertise des Studierenden, während dieser von dem Geflüchteten fachspezifische, akademische Hilfe bekommt. "Mittlerweile sind wir eine recht große Organisation", so Merle. Circa 25 bis 30 Tandempaare haben sich zurzeit gebildet. Über zehn Mitarbeiter helfen eherenamtlich mit und das Interesse wächst: Mittlerweile gibt es viele Anfragen auch aus anderen Universitätsstädten.