Alexander Hertel ist zur ukrainischen Grenze gefahren, um dort Flüchtende abzuholen. Auf dem Rückweg haben wir mit ihm gesprochen. Greta Fleck hilft Geflüchteten, die in Berlin ankommen oder durchreisen – mit einer Telegram-Gruppe.

Der russische Angriff auf die Ukraine treibt viele Menschen auf die Flucht. Dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen zufolge haben seit dem 23.02.2022 bereits rund 660.000 Menschen die Ukraine verlassen (Stand 01.03.2022). Es sind überwiegend Frauen, Kinder und Männer im nicht-wehrfähigem Alter. Ukrainische Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren müssen seit der Generalmobilmachung im Land bleiben.

Rund 280.000 Menschen sind auf dem Weg ins Nachbarland Polen, beziehungsweise dort bereits angekommen. Rund 130.000 Menschen überwiegend aus dem Osten des Landes sind nach Russland migriert (Stand 28.02.2022). Viele Menschen weltweit reagieren mit großer Hilfsbereitschaft auf die große Flucht.

Gestrandet an der Grenze

Manche helfen auf eigene Faust. Alexander Hertel aus Leipzig hatte am Morgen des 25.02.2022 die Telegramnachricht eines ukrainischen Freundes auf dem Handy. Wegen der Mobilmachung konnte dieser nicht das Land verlassen. Seine Schwester und weitere Verwandten konnten die rumänisch-ukrainische Grenze passieren, haben jedoch keinen Führerschein.

Alexander Hertel, hat Geflüchtete mit dem Auto transportiert (28.02.20222, 18:43 Uhr)
"Der schrieb mir: Die lassen die Männer nicht mehr rüber, nur noch die Frauen. Die haben alle keinen Führerschein. Wir schicken die jetzt rüber. Irgendjemand muss kommen und die abholen."

Alexander hat sich mit dem Auto auf den Weg gemacht. Am Montag (28.02.2022) waren er und weitere Fahrzeuge dann mit insgesamt elf Menschen aus der Ukraine nach Leipzig unterwegs. Eine hochschwangere Frau hatten sie in Rumänien zunächst noch ins Krankenhaus gebracht – unmittelbar nach dem Grenzübertritt war bei ihr die Fruchtblase geplatzt und die Wehen setzten ein.

Hilfsangebot auf Telegram

Greta Fleck unterstützt Geflüchtete auf andere Weise. Eigentlich ist sie Kommunikationsdesignerin, Fotografin und Künstlerin. Sie organisiert in Berlin Hilfe für Geflüchtete, die selbstständig von der Ukraine aus über Polen einreisen. Die wichtigsten Stationen sind dabei der Hauptbahnhof und der zentrale Busbahnhof. Einen zahlenmäßigen Überblick hat sie sich bislang noch nicht verschaffen können. Sie geht fest davon aus, dass die Zahl der Ankommenden stark zunehmen wird.

Greta versucht beispielsweise, die Menschen bei der Weiterreise zu ihren Wunschzielen innerhalb Deutschlands oder Europas zu unterstützen. Sie stellt auch Kontakte zwischen potenziellen Hosts in Berlin und Geflüchteten her. Ihr wichtigstes Tool ist die Telegramgruppe "Ukraine Berlin Arrival Support". Insgesamt beschreibt Greta die Lage als ziemlich unübersichtlich und fordernd. Seitens der Stadt hat sie bislang nicht beobachten können, dass die Hilfsstrukturen der Flüchtlingskrise von 2015 reaktiviert worden sind.

"Mit Hinsicht darauf, dass man so eine Situation vor einigen Jahren schon mal hatte, hätte man besser darauf vorbereitet sein können."
Greta Fleck, hostet die Telegramgruppe Ukraine Berlin Arrival Support (01.03.2022, 14:49 Uhr)