Tausende fliehen täglich. Aber was ist mit denen, die körperlich dazu nicht in der Lage sind? Mohammed ist 23. Eine Bombe hat den Syrer schwer verletzt. An eine Flucht über das Mittelmeer ist nicht zu denken.

Mohammed wurde bei einem Bombenanschlag auf die syrische Stadt Homs schwer am Bein verletzt. Sein Bruder starb, als das Haus bombardiert wurde. Danach schaffte er es nach Jordanien. Aber eine Flucht auf Krücken über das Mittelmeer würde er nicht schaffen.

"Ich würde gerne wieder als Layouter in einer Druckerei arbeiten - wie früher in Syrien."
Mohammed

Erst ein halbes Jahr nach dem Bombenanschlag gelang ihm die Flucht an die jordanische Grenze. Hier wurde seine entzündete, offene Wunde endlich medizinisch versorgt.

Der Syrer Mohammed wurde bei einem Bombenanschlag verletzt.
© Caroline von Eichhorn
In Amman kümmert sich ein Physiotherapeut um Mohammeds Bein.

Drei Jahre ist das jetzt her. Heute wohnt Mohammed mit seinen Eltern und sieben Geschwistern in einem dunklen Keller am Rand der jordanischen Hauptstadt Amman. Ein Physiotherapeut kümmert sich um sein Bein - ein tennisballgroßes Loch klafft da. Die Muskeln haben sich immer noch nicht erholt.

"Homs war umzingelt von der Armee. Niemand hatte Wasser oder medizinische Hilfe. Alles war zerstört."
Mohammed

Lebensmittelgutscheine sind knapp bemessen. Humus, Bohnen, Thunfisch und ein paar Falafel - mehr ist nicht drin. Pro Person hat die Familie etwa 40 Cent am Tag. Mohammed hätte gerne einen Job. Als Flüchtling in Jordanien ist das aber fast unmöglich, und mit seinen Krücken hat er noch weniger Chancen. Er träumt von Europa. Aber eine Flucht über das Mittelmeer kann er mit seinem kaputten Bein nicht antreten.

"Nach neun Operationen, die von Spenden und der UN finanziert wurden, kann er mit Krücken wieder gehen. Er ist am Leben, wenn auch schwer traumatisiert."
Caroline von Eichhorn, DRadio-Wissen-Reporterin