Seit acht Wochen gilt der Flüchtlingsdeal zwischen der Türkei und der EU. Es kommen weniger Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland - viel weniger. Aber was ist mit den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln? Ihre Situation ist katastrophal, sagt unser Korrespondent Wolfgang Landmesser.

Seit dem Flüchtlingsdeal sind 90 Prozent weniger Flüchtlinge und Migranten von der Türkei aus über das Mittelmeer illegal nach Griechenland eingereist, sagt die europäische Grenzschutzagentur Frontex. Zugleich sitzen Flüchtlinge auf den griechischen Inseln in Lagern fest. ARD-Korrespondent Wolfgang Landmesser war auf den Inseln Chios und Samos unterwegs. "Die Situation der Menschen in diesen Lagern ist verzweifelt", sagt er.

Die Versorgung in den Lagern ist schlecht und die Anspannung sehr groß, sagt Wolfgang. Teils kommt es zu Gewaltausbrüchen unter den Flüchtlingen. Zuletzt gab es solche Vorfälle in Samos. "Da haben nordafrikanische Flüchtlinge pakistanische überfallen," so Wolfgang. Er hat mit den Opfern gesprochen. Sie haben ihm Knochenbrüche gezeigt, auch Kopfwunden. Unter anderem seien sie mit Eisenstangen angegriffen worden.

"Es ist ungewiss, wie lange die Flüchtlinge hier warten müssen. Das sorgt für Frust und Spannungen. Sie wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht."
ARD-Korrespondent Wolfgang Landmesser über die Situation auf Chios und Samos

Die Flüchtlinge haben Asylanträge gestellt und warten nun auf die Entscheidung. Doch es gibt gar nicht genug Experten, um schnell über die Anträge entscheiden zu können. Die anderen EU-Länder haben personelle Unterstützung zugesagt. Doch zum Beispiel auf Chios gibt es gar nicht genügend Arbeitsplätze für Asylexperten, sagt Wolfgang.

Die EU hat auch über 2000 Sicherheitsleute zugesagt. Doch auch diese Unterstützung scheint nicht umgesetzt zu werden. In einem Lager in Samos waren pro Schicht drei bis vier Polizisten für 900 Menschen verantwortlich, sagt Wolfgang. "Das Lager zu überwachen, auch in einer Situation, in der Gewalt ausbricht, ist so kaum vorstellbar."

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