Viele geflüchtete Kinder leben unbegleitet in Lagern in Griechenland – unter sehr schlechten Bedingungen. Wenige von ihnen kommen nun nach Deutschland und Luxemburg. Die Auswahl ist schwierig, ein klares politisches Signal Europas nicht erkennbar.

Zurzeit scheint es so, als müssten die Flüchtlinge, die zum Beispiel in Griechenland in Flüchtlingslagern leben, dort noch lange bleiben – auch, obwohl das Corona-Virus eine neue potenzielle Gefahr darstellt.

Die EU-Staaten sprechen in letzter Zeit häufiger von den geflüchteten Kindern, die ohne Eltern unterwegs und besonders schutzbedürftig sind. Einige Länder haben angekündigt, Kinder aufzunehmen. Zwölf sind inzwischen nach Luxemburg gebracht worden, in den nächsten Tagen sollen 70 weitere folgen, die in anderen Ländern unterkommen.

"Es grassiert die Angst: Wenn Corona in ein Lager kommt, dann sind wir dem schutzlos ausgeliefert."
Thomas Bormann, Korrespondent für Griechenland

Die Behörden gehen davon aus, dass in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln 2500 Kinder ohne Eltern unterwegs sind. Manche Eltern sind im Krieg ums Leben gekommen, andere haben ihre Kinder alleine losgeschickt. In den kommenden Wochen sollen 1600 dieser Kinder in europäische Länder gebracht werden.

Langwieriger Auswahlprozess

Bevor einige Kinder wirklich von Griechenland in andere europäische Länder ausreisen, hat ein langer Auswahlprozess stattgefunden, welche Kinder das sein können. Daran beteiligt sind unter anderem griechische Behörden, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und die europäische Asylbehörde, die die Identität der Kinder prüft.

Nicht zuletzt müssen die Kinder überhaupt wollen. Ein Kind hat die Ausreise mit der Begründung abgelehnt, es hätte in einem Flüchtlingslager einen guten Freund, den es nicht verlassen will. Grundsätzlich bleiben die Lebensumstände in vielen der Lager in Griechenland prekär.

"Manche Toiletten laufen einfach über. Und weil das Lager an einem Hang gebaut ist, laufen die Fäkalien dann in die Zelte rein, in denen die Menschen schlafen."
Lena, Ärzte ohne Grenzen, über die Lage in griechischen Flüchtlingslagern

Obwohl Europa jetzt angefangen hat, einige Kinder aufzunehmen, fordert Griechenland mehr Hilfe. Allein im Flüchtlingslager Moria leben geschätzt 20.000 Menschen. Und wenn Flüchtlinge in Europa ankommen, dann hauptsächlich in Griechenland, kaum in Italien oder Spanien. "Griechenland fühlt sich im Stich gelassen", sagt der Korrespondent für Griechenland Thomas Bormann.

Die Europäische Union zahlt inzwischen für Hotels und leer stehende Wohnungen, in denen 2500 Flüchtlinge unterkommen können. "Ein bisschen was wird getan", sagt Thomas Bormann.

Zunehmender Lagerkoller

Zusätzlich zu den teils miserablen Zuständen in den Flüchtlingslagern kommt eine Belastung hinzu: Die Menschen dürfen wegen der Corona-Gefahr die Lager nicht mehr verlassen. "Früher konnten sie wenigstens mal am Strand spazieren gehen", sagt Thomas Bormann. Jetzt sind die Lager abgeriegelt. "Der Lagerkoller wird noch schlimmer."

Die Hilfsorganisation Terre des Hommes fordert, insgesamt 5.000 Flüchtlingskinder aufzunehmen.