Auf Lesbos und Samos kommen im Moment besonders viele Geflüchtete an. Sie warten unter unwürdigen Bedingungen auf ihre Registrierung. Der ARD-Korrespondent für Griechenland, Michael Lehmann, bezeichnet die Situation auf diesen griechischen Inseln als Schande für Europa.

Der Leiter des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos wirft hin. Er habe unter schwierigen Umständen getan, was getan werden musste und sei nun müde, sagte Yannis Balpakakis. Nach der Ankunft von 3000 Flüchtlingen im August hat sich die ohnehin schwierige hygienische Situation im Zeltlager weiter verschlechtert. Ende August lebten dort nach UN-Angaben fast 11.000 Menschen – eingerichtet ist das Lager für 3000 Personen. Michael Lehmann, ARD-Korrespondent für Griechenland, sagt, das Lager ist überbelegt mit katastrophalen Auswirkungen für die Hygiene in dem Lager.

"Es ist mehrfach überbelegt. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal."
Michael Lehmann, ARD-Korrespondent für Griechenland

Die Situation in den griechischen Registrierungszentren bezeichnet Michael Lehmann als Schande für Europa. Für die Registrierung sei sichtlich zu wenig Personal vor Ort. Die Verfahren dauerten zu lange.

Mehr Menschen auf der Flucht

Die Zahl der Geflüchteten, die auf verschiedenen griechischen Inseln ankommen, hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Das hat Michael Lehmann auch auf Samos beobachtet. Hunderte, wenn nicht tausende, Behelfsunterkünfte seien in den vergangenen Tagen auf dieser Insel geschaffen worden.

Der ARD-Korrespondent hat dort zwei Schleuserrouten während einer Recherche Anfang 2019 entdeckt. Über die eine Route seien nur Geflüchtete aus Afrika über die Türkei nach Griechenland geschleust worden. Über die andere seien syrische, afghanische, iranische und irakische Geflüchtete auf die Insel gebracht worden.

Abkommen als Druckmittel

Hintergrund der stärkeren Fluchtbewegung ist, dass der türkische Präsident Erdogan offen damit gedroht hat, Geflüchtete – etwa aus Syrien – nicht mehr an der Ausreise zu hindern. Damit unterläuft Erdogan die Vereinbarung mit der EU, den sogenannten Flüchtlings-Deal von 2016. Ziel der Vereinbarung war, dass mehr Geflüchtete in der Türkei bleiben. Erdogan forderte logistische Unterstützung beim Aufbau einer Sicherheitszone im Nordosten Syriens. Doch die Absprache stehe auf der Kippe, sagt Michael Lehmann.

"Es ist leider so, dass sich die Sache seit der Drohung Erdogans nochmal dramatischer entwickelt hat. Erdogan sagt, er wird sehr viel mehr Syrer durchlassen, wenn Europa nicht stärker unterstützt."
Michael Lehmann, ARD-Korrespondent für Griechenland