In "Kleine Kannibalen" von Torsten Krol kommt es zum Showdown zwischen einem Juden und einem Nazi - mitten im Dschungel.

Eigentlich wollte Erich mit seiner Familie nach Venezuela. Sein Vater ist im Krieg für Hitler gestorben, und seine Mutter will nun auswandern - zum Schwager, zu Klaus, der als Arzt arbeitet und der Mutter angeboten hat, sie zu heiraten und für die Familie zu sorgen.

"Erich weiß, dass seine Mutter ihren Schwager immer ein bisschen besser als ihren eigenen Mann fand. Weil sich Klaus kultivierter benahm, und weil er 1933 in die Partei eingetreten ist, um den Führer zu unterstützen. Anders als ihr Mann. Der wollte das nicht."
Lydia Herms über das Buch "Kleine Kannibalen"

Tatsächlich ist Klaus gar nicht so nett, wie er tut. Er betrachtet sich als Herrenmensch, ist morphiumabhängig und unter falschem Namen unterwegs. Die Aliierten suchen ihn, den Nazi, den Kriegsverbrecher. Klaus nutzt die Hochzeit, um sich eine neue Identität zu verpassen.

Erich entscheidet, wer überleben soll

Im Dschungel trifft Erich auf Einheimische. Das sind kleine, dunkelhäutige Menschen mit Blasrohr in der Hand, die ihm Bananen und Fleisch zu essen geben. Gerhard Wenztler, Professor aus Heidelberg, Ethnologe, seit 11 Jahren bei den Yayomi. So stellt er sich vor. Vom zweiten Weltkrieg und von dessen Ausgang hat er nichts mitbekommen. Ihn interessiert allein das Leben der Yayomi. Darüber will er ein Buch schreiben, später, wenn er wieder zurück in Deutschland ist.

Aber so einfach wird dort keiner weg kommen, aus dem Dschungel. Die Yuyami halten die Fremden für Delfine in Menschengestalt - also für heilig. Außerdem hütet der Professor ein Geheimnis, das einen das Leben kosten wird: den Professor oder Klaus. Sprich: den Juden oder den Nazi.

"Kleine Kannibalen" von Torsten Krol, aus dem Englischen übersetzt von Gunnar Kwisinski, ist erschienen im Blessing Verlag, 432 Seiten.