11.410 Menschen hat die Bertelsmann-Stiftung in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten zur Flüchtlingspolitik befragt. Ergebnis der "eupinions"-Studie: Die Mehrheit der Europäer will ein gemeinsames Vorgehen in der Flüchtlingspolitik.

Die Visegrad-Staaten ziehen ihre Grenzzäune hoch und verhandeln im Alleingang mit Nicht-EU-Mitglied Mazedonien über die Schließung der letzten Schlupflöcher für Flüchtlinge. Eine Aktion, die vor allem Griechenland in Bedrängnis bringen wird. Das ist alles andere als eine gemeinschaftliche Lösung. Großbritannien hält sich aktuell zurück, wenn es darum geht, Flüchtlinge ins Land zu lassen, auch Frankreich denkt über eine schärfere Asylpolitik nach. Von einer gemeinsamen politischen Lösung keine Spur.

Das ist ein Trend, den die europäische Bevölkerung nicht unterstützt. Das hat eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung ergeben. In den "eupinions" wurde die aktuelle Stimmungslage in den 28 EU-Staaten abgefragt. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Europäer ist für eine gemeinsame Lösung in der Flüchtlingspolitik. Dazu gehört die faire Verteilung der Flüchtlinge auf alle EU-Mitgliedsstaaten.

Unterschied zwischen alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten

Allerdings gibt es laut Studie einen Unterschied zwischen alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten. Während die alten EU-Mitgliedsstaaten mit großer Mehrheit für eine gemeinsame Lösung sind, ist die Zustimmung in den neuen EU-Mitgliedsstaaten etwas weniger deutlich. Aus Sicht der Befragten sollten sowohl die EU als auch die jeweiligen Mitgliedsstaaten für die europäische Asyl- und Migrationspolitik zuständig sein, sagt Isabell Hoffmann, die die Studie geleitet hat.

"Sie wollen diesen Raum den sie haben, dieses Privileg, das sie haben, sich in Europa frei zu bewegen, das wollen sie behalten."

Reisefreiheit und Grenzschutz sind Europäern gleich wichtig

Besonders wichtig ist den Europäern, dass die Reisefreiheit erhalten bleibt. 79 Prozent sprechen sich dafür aus, in Polen sind es sogar 90 Prozent. 87 Prozent der Befragten wollen einen gemeinsamen Schutz der EU-Grenzen. Für Studienleiterin Isabell Hoffmann ist die deutliche Übereinstimmung in den Fragen überraschend.

"Das sind sehr hohe Werte, die man selten in diesem Umfang sieht und das ist schon sehr erstaunlich."
Isabell Hoffmann, Studienleiterin

Was wir aus der Studie allerdings nicht ableiten können, ist eine positive Einstellung der Europäer gegenüber der Einwanderung. Viele der Befragten machten auch deutlich, dass ihnen die hohe Zahl der Zuwanderer Sorgen bereitet, sagt Isabell Hoffmann. Knapp 60 Prozent befürchten, dass die Belastung für die Sozialsysteme in ihrem Land steigen könnte. 54 Prozent wollen, dass die Kriterien für Asylbewerber nicht zu großzügig ausgelegt werden.