Schmerzmittel, Antibiotika, Antidepressiva: Medikamenten-Rückstände im Abwasser landen in Flüssen. Fast überall lassen sich Wirkstoffe nachweisen.

Mund auf, Tablette rein, einen großen Schluck Wasser hinterher, fertig. Pillen und Präparate, die wir einnehmen, gelangen über unseren Körper – spätestens nach ein paar Stunden – schließlich im Abwasser.

In manchen Regionen der Welt ist das Wasser der Flüsse stärker belastet, in anderen weniger. Aber tatsächlich lassen sich fast überall Rückstände nachweisen. Die Auswirkungen, die diese Substanzen beispielsweise auf Fische haben können, sind zum Teil untersucht. Das volle Ausmaß der unterschiedlichen Wirkstoffe auf das jeweilige Ökosystem ist allerdings noch weitgehend unerforscht.

Globales Problem

Ein Forschungsteam unter Leitung der University of York hat Wasserproben in unterschiedlichen Gegenden der Welt untersucht und zum Teil starke Belastungen festgestellt.

In jeder Probe waren Rückstände von mindestens einer Substanz zu finden – in Hong Kong waren es beispielsweise 34 unterschiedliche Wirkstoffe. In jedem vierten, von den mehr als 250 untersuchten Flüssen, war die Konzentration bedenklich, also deutlich höher als die empfohlenen Grenzwerte.

Extreme Werte in Pakistan und Bolivien

In der zweitgrößten Stadt Pakistans und in der bolivischen Stadt La Paz waren die Werte besonders hoch. In Europa zählt die spanische Stadt Madrid zu den negativen Spitzenreitern.

Nur in ganz entlegenen Gegenden in Island und bei einem Volk im Amazonasgebiet, das keine westliche Medizin nutzt, konnten die Forschenden keine Medikamente in den Gewässern nachweisen.

Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass es kaum Gegenden auf der Welt gibt, in denen die Flüsse frei von Medikamenten-Rückständen sind.

Belastung durch Schmerzmittel, Psychopharmaka und Hormonpräparaten

Die Forschenden haben ihre Untersuchung auf circa 60 Wirkstoffe begrenzt. Hauptsächlich haben sie Antibiotika-Rückstände gefunden, außerdem von Schmerzmitteln wie Paracetamol, Blutdrucksenkern, Mitteln gegen Epilepsie, Antidepressiva, Diabetes-Medikamenten und von Medikamenten gegen Allergien. Und auch Koffein oder Nikotin-Rückstände ließen sich nachweisen.

Dabei gab es weltweit Unterschiede bei der Wasserverschmutzung durch Medikamente. In Afrika wurden beispielsweise mehr Rückstände von Malaria-Medikamenten gefunden als auf der Nordhalbkugel.

Hormone im Wasser können Fischen schaden

Nicht für jede Substanz ist erforscht, wie sie auf Pflanzen oder Fische oder auf Menschen wirkt, die mit belastetem Wasser in Berührung kommen. Forschende gehen aber davon aus, dass Medikamenten-Rückstände, aber auch Kaffee oder die Abbauprodukte von Nikotin, den Ökosystemen schaden können.

Gesichert ist bereits, dass Bakterien aufgrund von Antibiotika-Rückständen Resistenzen ausbilden können. Das kann dazu führen, dass Antibiotika dadurch unwirksam werden. Außerdem ist auch bereits erforscht, dass Hormone, die ins Wasser gelangen, zum Beispiel durch Verhütungsmittel wie die Pille, dafür sorgen, dass männliche Fische anfangen, in den Keimdrüsen plötzlich Eier zu produzieren.

"Ja, Abwasser müsste besser geklärt werden. Mancherorts gilt aber auch, dass das Abwasser überhaupt geklärt werden sollte, das ist nämlich nicht überall so."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Insgesamt ist die Studie ein Hinweis darauf, dass das Abwasser noch gründlicher geklärt werden müsste. Allerdings gibt es nicht überall auf der Welt Kläranlagen. Reichere Länder können sich diese leisten, viele ärmere Länder hingegen nicht.

Und hier gelangen nicht nur Kot und Urin ungefiltert in die Gewässer, auch Medikamenten-Fabriken leiten ihre Abwässer aus der Produktion ungeklärt in die Umwelt. An einem Standort war die Konzentration eines Antibiotikums beispielsweise 300 Mal so hoch wie der Grenzwert.

Verantwortungsvollerer Umgang mit Medikamenten

Forschende rufen zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Medikamenten auf. Beispielsweise bei der Verschreibung von Antibiotika. Denn auch das kann dazu beitragen, dass die Menge der Rückstände im Abwasser reduziert werden kann.