Zum Ende des Jahres wird es wieder ruhiger im Ahrtal. Was sich in den vergangenen Monaten dort gezeigt hat, ist die große Solidarität. Mit ihrer Unterstützung konnten die Helfenden den Betroffenen ein bisschen Zuversicht geben.

Eine Gruppe von Menschen steht mit ihren Gummistiefeln im Schlamm und reicht Eimer für Eimer die braune Masse weiter. Sie wollen die Häuser im Ahrtal, die nach der Flutkatastrophe noch stehen, wieder begehbar machen.

Die Bilder von der Flutkatastrophe im Juli 2021 halten eindrücklich fest, wie Häuser von den Wassermassen weggespült und zerstört wurden. Wie Autos zerdrückt wurden, als wären sie aus Pappe. Wie viel die Menschen in den Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz innerhalb eines Tages verloren haben.

Solidarität und Gemeinschaft

Und dann gibt es auch die Bilder aus der Zeit nach der Flutkatastrophe: Sie zeigen, wie die vielen freiwilligen Helfer*innen und die Betroffenen gemeinsam über Eimerketten Schlamm- und Schuttberge abtragen oder Putz und Estrich aus den Häusern abschlagen. Es sind Bilder der Solidarität, sagt Anke Petermann. Als Korrespondentin für Rheinland-Pfalz hat sie über das Ahrtal berichtet, war dort unterwegs und hat mit den Menschen gesprochen.

"Es war eine große Solidarität und es ist eine sehr schöne Gemeinschaft entstanden."
Anke Petermann, Dlf-Korrespondentin für Rheinland-Pfalz

In den vergangenen Wochen hat die Zahl der freiwilligen Helfenden zwar wieder abgenommen, berichtet sie. Das liege unter anderen am kalten Wetter und den steigenden Inzidenzwerten. Auch ein Busbetrieb, der die Helfer*innen ins Ahrtal bringen sollte, pausiert bis Ende Februar. Dafür bieten immer mehr Handwerksbetriebe ihre Hilfe an. Über die Handwerkskammer haben sich über 1400 Fachbetriebe aus ganz Deutschland gemeldet.

Hilfe, die Kraft gibt

Den Menschen in den betroffenen Flutgebieten gibt diese Unterstützung wiederum Hoffnung. "Wir hatten superviel Hilfe. Es ist wirklich unfassbar toll gewesen. Ich habe so viele Kontakte durch die Katastrophe, und das hat mir viel mehr gegeben als manch anderes, was man verloren hat", sagt Christine aus Ahrweiler. Die Helfenden haben ihr und vielen anderen Betroffenen mit ihrer Solidarität auch mental geholfen.

"Es war nicht nur der Schlamm und der Schutt, den die Freiwilligen aus den Häusern geholt haben. Sie haben gleichzeitig Zuversicht gegeben, dass man dieses Chaos überhaupt bewältigen kann."
Anke Petermann, Dlf-Korrespondentin für Rheinland-Pfalz

Wie bewegend die Zeit im Ahrtal nach der Flutkatastrophe war, weiß auch Anas Alakkad. Er und sein Freund Faris leben eigentlich in Saarbrücken. Nach der Flut haben sie sich auf den Weg ins Ahrtal gemacht und helfen seitdem zusammen mit einer Gruppe weiterer Helfer*innen, die hauptsächlich aus syrischen Geflüchteten besteht, den Betroffenen vor Ort.

Die Zeit im Ahrtal hat ihn und sein Leben verändert, sagt Anas. Wenn er über die vergangenen sechs Monate erzählt, dann spricht er über viele Momente der Menschlichkeit, die eindrucksvolle Hilfsbereitschaft der vielen Freiwilligen und schöne Begegnungen zwischen Fremden, die zu Freunden wurden.

Klickt auf Play für das ganze Gespräch mit Anas Alakkad, der im Ahrtal hilft.
"Einwohner und Helfer sind durch ein gemeinsames Ziel zu einer Familie geworden."

"Unfassbarer Durchhaltewille"

Auch Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz nimmt bei vielen Menschen im Ahrtal einen starken Durchhaltewillen wahr, der sie für den Wiederaufbau motiviert: "Sie wollen das nicht aufgeben. Sie wollen die Heimat wieder aufbauen und sie bekommen auch langsam wieder Hoffnung." Martin Schütz kommt selbst aus Bad Neuenahr. Manche seiner Verwandten leben auch weiter dort, ein anderer Teil ist nach der Flut weggezogen. Ihre Wohnungen wurden durch die Wassermassen zerstört.

In seiner alten Heimat sieht er besonders seit Oktober und November große Fortschritte. Das bedeutet: Die Grundversorgung läuft wieder. Das Strom-, Gas- und Wassernetz funktioniert wieder, Brücken sind befahrbar und Schuttberge, zerstörte Möbel und auch Müll lagert nicht mehr auf den Straßen, sondern wurde abgeholt.

Die Luft ist wieder sauber

Auch die Luft riecht wieder frisch. "In den ersten Wochen hat es in der Stadt unfassbar gerochen: nach feuchtem Keller, klammer Wäsche, Öl und überall war feiner Staub", erzählt er. Die Polizei sei täglich mit Wasserwerfern durch Neuenahr und Ahrweiler gefahren und habe versucht, die Luft vom Staub zu befreien.

In anderen Teilen entlang der Ahr prägen vor allem die großen Schäden das Bild, sagt Martin. Wie an der oberen Ahr: Dort ist das Tal enger und vieles ist komplett verwüstet. "Jedes Mal, wenn ich das sehe, muss ich mit den Tränen kämpfen", erzählt er.

Auch die Erinnerung an die Menschen, die bei der Katastrophe ums Leben gekommen sind, wiegt schwer. Mehr als 130 Menschen sind bei oder durch die Flut gestorben. Bei einem Besuch im Ahrtal fünf Monate nach der Flutkatastrophe liegt die Hoffnung nah bei den schmerzvollen Erinnerungen.

Klickt auf Play für das ganze Gespräch mit Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz
"Das sind die tragischen und ganz traurigen Geschichten. Ich merke bei ganz vielen aber auch einen unfassbaren Durchhaltewillen."

Weiter helfen

Ab März fahren wieder Shuttle-Busse ins Ahrtal, um Helfer*innen dort hinzubringen. Hilfesuchende und Helfer*innen können sich online registrieren und werden dann miteinander verbunden.