Ob wir uns impfen lassen wollen oder nicht, kann möglicherweise damit zusammenhängen, welche Werbeanzeigen wir auf sozialen Medien angezeigt bekommen. Ein Team von US-Forschenden hat Facebook-Anzeigen zum Thema ausgewertet.

Seit einiger Zeit gibt es bei Facebook eine frei zugängliche Werbebibliothek. Damit will das Unternehmen für mehr Transparenz sorgen: Dort können wir zum Beispiel nachsehen, welche Anzeigen gerade geschaltet werden oder zuvor veröffentlicht wurden.

Diese Werbedatenbank kann man mit Stichworten durchsuchen, um zum Beispiel herauszufinden, welche Anzeigen zu welchem Thema in welchem Land zu welchem Zeitpunkt gepostet wurden.

Außerdem wird auch angezeigt, ob die Anzeige von mehr Männern oder Frauen gesehen wurde und in welchem Alter diese Personen waren.

"Man erfährt in der Werbedatenbank zum Teil auch, wie viel Geld jemand für Anzeigen ausgegeben hat. Zum Beispiel Parteien."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Forscher verschiedener Institutionen aus den USA hat die Werbedatenbank von Facebook nach dem Begriff "Impfen" durchsucht und für den Zeitraum zwischen Dezember 2018 und Februar 2019 mehr als 500 Anzeigen gefunden und analysiert.

Mehr als die Hälfte der Anzeigen war Pro Impfen, der Anteil der Anzeigen von Impf-Gegnern etwas geringer. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass mit den Anzeigen, die sich gegen das Impfen aussprechen, auch viele Falschinformationen verbreitet wurden.

Strenge Regeln für politische Anzeigen

Die Forschenden haben bei ihrer Auswertung festgestellt, dass Facebook das Thema Impfen als ein "politisch oder gesellschaftlich relevantes Thema" definiert.

Das Problem: Anzeigen zu "politisch relevanten Themen" unterliegen bei Facebook strengeren Regeln als andere Anzeigen. Unter anderem muss derjenige, der die Anzeige schaltet, einen Disclaimer ausfüllen und darüber hinaus angeben, wer die Anzeige finanziert.

Nach Ansicht der Forschenden politisiert Facebook damit ein Thema, bei dem die Wissenschaft sich weitgehend einig ist. Die meisten Forschenden betrachten Impfungen als sinnvoll und gehen davon aus, dass sie Menschen schützen.

Die Wissenschaftler, die die Auswertung der Werbeanzeigen durchgeführt haben, kommen zu dem Schluss, dass Laien sich davon verunsichern lassen können, dass Facebook das Thema Impfen politisiert.

Facebook sortiert Anzeigen aus, die den Vorgaben nicht genügen

Der Facebook-Algorithmus führt dazu, dass viele seriöse Anzeigen aussortiert und gesperrt werden, die von Krankenhäusern oder Gesundheitsämtern geschaltet wurden.

Das hängt damit zusammen, dass manche Institutionen, die das Impfen bewerben, zum Beispiel den Disclaimer fehlerhaft ausfüllen und deswegen deren Anzeigen von Facebook ausgeblendet werden.

Das Problem haben die Impfgegner weniger: Die Wissenschaftler analysierten, dass die meisten Anti-Impf-Anzeigen von einigen wenigen Anzeigenkäufern beauftragt wurden, die viele Anzeigen hintereinander geschaltet haben und dadurch anscheinend genauer wussten, worauf sie achten müssen.

"Das Forschungsteam sagt, es war überrascht: Das waren jetzt keine besorgten Elterngruppen, die die Anzeigen geschaltet haben, sondern vor allem zwei politisch gut vernetze Männer, die offenbar regelrecht Kampagnen fahren."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion