Wissenschaftler sind neugierig, forschen und begeistern uns mit ihren Erfindungen. Doch nicht immer wird was draus.

Warum bleiben geniale Ideen auf der Strecke? Ralf Krauter aus der Wissenschaftsredaktion hat aus gescheiterten Ideen eine ganze Sendungsreihe im Deutschlandfunk gemacht: "Tolle Idee! Was wurde daraus?" Zum Beispiel: Solarzellen von der Rolle.

Das Startup-Unternehmen Nanosolar mit Sitz im Silicon Valley gründete sich vor über zehn Jahren und war der Hoffnungsträger der Photovoltaik-Branche, berichtet Ralf. "Wir entwickeln hoch effiziente Solarzellen, die zehnmal billiger sind als die der Konkurrenz", zitiert der Wissenschaftsredakteur das Ziel des Unternehmens. Investoren haben sich für die Idee begeistert und eine halbe Milliarde in das Unternehmen gesteckt. 2013 ging Nanosolar pleite.

Langer Entwicklungsweg vom Labor in die Praxis

Ralf hat sich 2008 sogar selbst die Fabrik angesehen. Zu dieser Zeit war die Produktion in vollem Gange. Warum ist das Unternehmen gescheitert? Nanosolar habe unterschätzt, wie lange es dauert, eine Technologie, die im Labor im kleinen Maßstab funktioniert, so hoch zu skalieren, dass sie tatsächlich Solarpanele und –module in Massen produzieren könne.

Das Unternehmen konnte die Qualitätsprobleme beim Output nicht lösen. Die Solarzellen gingen zu schnell kaputt. Das Unternehmen hätte zu spät angefangen, erklärt Ralf, die Zellen im Feld auf ihre Beständigkeit zu prüfen. Hinzu kam der Preisverfall bei Solarzellen durch eine Angebotsschwemme aus China. Damit geriet Nanosolar unter einen derart hohen Preisdruck, dass sie ihr Versprechen nicht einhalten konnten, zehnmal billiger zu sein. Schließlich sprangen die Investoren ab.

"Wenn die Firmen nicht auf eine tolle Idee aufspringen und sagen: Ja, finden wir gut, wir gehen das Risiko ein, wir unterstützen euch, dann versandet sie wieder."
Ralf Krauter, Wissenschaftsredakteur

An dem Beispiel von Nanosolar zeigt sich, wie schwierig es für Wissenschaftler ist, Investoren für ihre Innovationen zu finden oder zu halten. Zum Beispiel haben Wissenschaftler an der Universität Hannover RainCars entwickelt, bei denen Scheibenwischer als Regensensoren verwendet werden. Mit den Daten, die dann über jedes Auto gesammelt würden, könnte die Wettervorhersage verbessert werden. Bisher ist weder ein Automobilhersteller noch ein Wetterdienst auf die Idee angesprungen.

"Das ist eine tolle Idee, die nach wirklich vielen Jahren der Forschung inzwischen so weit ist, dass sie vielen Menschen täglich Hilfe leisten kann."
Ralf Krauter, Wissenschaftsredakteur

Wissenschaftler, deren Erfindungen schließlich erfolgreich sind, müssen vor allem Geduld haben. Knie-Knorpel aus der Retorte ist ein Beispiel, das Ralf anführt. Die ersten Ansätze gab es 1994, als ein schwedischer Orthopäde einen gezüchteten Knie-Knorpel aus der Petrischale in ein Knie transplantierte. Die große Hoffnung war, damit Arthrose zu heilen. Viele Labors versuchten ein Verfahren zu entwickeln, immer wieder gab es Rückschläge. Inzwischen haben die Wissenschaftler über viele kleine Schritte ein Verfahren entwickelt, das heute Standard bei der Reparatur von kleinen Knorpeldefekten ist.