Zuerst hatte sich die italienische Forscherin sehr über die Raupen in ihrem Bienenstock geärgert. Dann fiel ihr aber auf, dass die Tierchen Plastik mögen. 

Man kennt sie unter dem Namen Bienenmade oder Honigmade - die Raupe der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella). Eigentlich lebt sie am liebsten in Bienenstöcken. Sie ernährt sich dort von den Waben und dem Bienenwachs. Darum ist die Raupe bei Imkern nicht so gern gesehen.

Auch eine Forscherin der Universidad de Cantabria, die nebenbei imkert, ärgerte sich deshalb, als sie die Raupen in ihrem Stock fand.

Zufällig entdeckte sie dann aber etwas Erstaunliches: Nicht nur Bienenwachs steht auf dem Speiseplan der kleinen Raupe, sie mag außerdem sehr gerne Plastik, genauer: Polyethylen - das Plastik, aus dem Billionen Plastiktüten sind.

"Die Italienerin hat die Raupen eingesammelt und in eine Plastiktüte geworfen. Und kurze Zeit später waren überall Löcher in der Tüte."
Sebastian Rams, DRadio Wissen
Eine Raupe hat Löcher in Plastik gefressen
© Fred Lewsey (Cambridge University)
Eine kleine Raupe Nimmersatt: An allen Tagen schmeckt ihr Plastik gut.

Setzt man die Raupen auf gewöhnliche Plastiktüten, knabbern sie schnurstracks viele kleine Löcher rein. Die Forscher haben herausgefunden: Rund 100 der Tiere fressen in 12 Stunden etwa 92 Milligramm einer normalen Einkaufstüte auf. Das gilt als schneller Zersetzungsprozess.

Auf der Suche nach dem Enzym

Oft ist es ein ganz spezielles Enzym, das für den Abbau verantwortlich ist. Und das wollen die Forscher jetzt isolieren und genauer untersuchen.

Es gibt auch andere Organismen, die Plastik zersetzen - Bakterien beispielsweise. Eine Lösung für unser Müllproblem ist das aber - zunächst jedenfalls - nicht. Denn wir Menschen produzieren einfach so wahnsinnig viel Plastikmüll: laut dem Naturschutzbund Nabu fast 300 Millionen Tonnen pro Jahr. Und dieser Müll landet einfach überall: Am Straßenrand, in Wäldern, im Meer.

"Selbst wenn man aus den Raupen oder Bakterien eine Art Wundermittel herstellen könnte, müsste der ganze Plastikmüll ja erstmal wieder aus der Natur zurückgeholt werden. Das ist total utopisch."
Sebastian Rams, DRadio Wissen

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