Der Alltag von Magersüchtigen ist geprägt von der Angst zuzunehmen. Um gegen diese Angst anzugehen, können menschliche Avatare helfen, die ein gesundes Körpergewicht haben. Wissenschaftlerinnen haben dafür ein VR-Tool entwickelt.

Das Tool ist Teil einer klassischen Therapie gegen Magersucht. Gerade am Anfang einer Therapie geht es darum, dass Patient*innen eine medizinisch dringend geratene Gewichtszunahme erreichen. Doch Menschen mit Magersucht haben Angst davor, Körpergewicht zuzulegen. Das Virtual Reality Tool soll Patient*innen helfen, sich diesem Szenario zu stellen.

VR-Brillen ermöglichen den Blick auf einen gesunden Körper

Dafür bekommen Patient*innen eine VR-Brille, mit der sie ein virtuelles Bild ihres Körpers sehen. "Man sieht sich selbst", sagt unser Reporter Lukas Rosendahl. Außerdem werden die eigenen Bewegungen über Sensoren erfasst und an den Avatar übertragen. Mit Brille und Sensoren steuern die Patient*innen also ihr virtuelles Ich.

Studie zur Wirkung von VR-Brillen bei Magersucht: Eine Wissenschaftlerin steht neben einer Patientin, die eine VR-Brille trägt und an Armen und Händen Sensor zur Erfassung der Bewegungen.
© Universitätsklinikum Tübingen I Immanuel Reimold
An der klinischen Pilotstudie nahmen 24 Patient*innen teil.

Aber: Der Computer zeigt die Patient*innen mit mehr Körpergewicht – nämlich mit entsprechend so viel mehr Gewicht, dass der Körper laut Body-Mass-Index gesund wäre.

Entwickelt haben das Tool Wissenschaftler*innen der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme – hier findet ihr weitere Informationen.

Die virtuelle Darstellung hilft bei der Genesung

Das Team hat für die VR-Brillen unter anderem tausende Menschen mit vielen unterschiedlichen Körpern in einem 4D-Scanner gescannt. Auf dieser Datengrundlage entstehen die Avatare, die möglichst menschlich und nicht wie Computerfiguren aussehen sollen.

"Sich selbst in einem gesunden Körper zu sehen, kann den eigenen Selbstwert steigern."
Lukas Rosendahl, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Patient*innen sollen sich selbst in einem möglichst realistischen und gesunden Körper sehen. Das soll helfen, den eigenen Selbstwert zu steigern. "Außerdem soll es die Angst davor nehmen, dass man zu dick sein könnte", erklärt unser Reporter.

An der klinischen Pilotstudie nahmen 24 Patient*innen teil. Das Ergebnis: Fast alle Personen sagten, der Avatar habe ihnen beim Gesundwerden sehr geholfen. "Ein erster Erfolg, der jetzt weiter untersucht werden soll", so Luka Rosendahl.

  • Moderator: Thilo Jahn
  • Gesprächspartner: Lukas Rosendahl, Deutschlandfunk Nova