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Auf dem Februar-Cover der Zeitschrift Vogue wird die neue US-Vizepräsidentin Kamala Harris zu sehen sein. Im Netz wird heiß darüber diskutiert – denn viele Menschen empfinden das Foto als einer zukünftigen Vize-Präsidentin nicht würdig.

Es ist ein eher legeres Outfit: Kamala Harris trägt eine schwarze Hose und einen schwarzen Blazer mit einem weißen Shirt. Dazu schwarze Chucks – die Schuhe sind fast so etwas wie ihr Markenzeichen geworden, auch im Wahlkampf trug sie sie häufig. Doch es gibt Kritik, die Aufnahme der zukünftigen Vizepräsidentin sei respektlos.

Zu wenig präsidial?

Die Bilder gemacht hat Tyler Mitchell, der erste afroamerikanische Fotograf, der jemals ein Cover für die Vogue geschossen hat: 2018 mit Beyoncé. In seinen Aufnahmen spielt die Identität schwarzer Menschen und auch sein Blick als Schwarzer immer eine Rolle, erklärt Anke van de Weyer von Deutschlandfunk Nova.

"In den Fotografien Tyler Mitchells spielt die Identität schwarzer Menschen und auch sein Blick als Schwarzer immer eine Rolle."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Neben der Kritik, Kamala Harris käme mit ihren Chucks auf dem Cover zu wenig präsidial rüber, muss sich die Vogue im Netz auch den Vorwurf anhören, Whitewashing zu betreiben, also Harris‘ Hautfarbe aufgehellt zu haben.

Vorwurf des Whitewashing

Das sei aber nicht eindeutig nachzuvollziehen, sagt Anke van de Weyer. Denn das ganze Foto habe eine entsättigte Ästhetik und dadurch würden natürlich alle Bereiche des Fotos heller. Trotzdem hätte man das mitdenken sollen, findet sie.

Tyler Mitchell benutzt oft Tücher als Hintergrund seiner Portraitierten. Bei Kamala Harris wurden die Farben rosa und grün gewählt – und das ganz bewusst: Es sind die Farben der Schwesternschaft Alpha Kappa Alpha, einer Verbindung, in der Kamala Harris während ihrer Studienzeit Mitglied war und die immer noch wichtig für sie ist.

Viele kennen den Kontext nicht

Wer das Foto einfach nur sieht und den Kontext nicht hat, kennt diese ganzen Hintergründe natürlich nicht. Genau das sei das Problem, sagt Anke van de Weyer. Die Modewelt und Bildsprache der Vogue pralle mit Menschen aufeinander, die das Bild sehen und denken: "Was soll das denn? Das kann ich ja mit dem Handy besser."

Anna Wintour, die Chefredakteurin der US-Vogue, sieht das alles aber entspannt. In einem Podcast mit der New York Times hat sie gesagt, für sie komme das Foto fröhlich und optimistisch rüber und stehe damit genau für die Art von Führung, die Biden und Harris zusammen verkörpern: das Zugewandte und dass sie Menschen zusammenbringen wollen.

"As I listen to the President-elect and the Vice President-elect talk about empathy, and unity, and bringing people together, to me, this cover symbolizes that. I feel it’s a very welcoming image."
Anna Wintour, Chefredakteurin der US-Vogue

In der Mode gelten andere Dresscodes als in der Politik, das weiß auch Kamala Harris. Zur Vereidigung am 20. Januar wird sie deshalb wahrscheinlich nicht mit Chucks kommen, glaubt Anke van de Weyer. Eher so, wie auf einem anderen Foto aus dem Vogue-Shooting, das für viel weniger Kontroversen gesorgt hätte, wäre es das Cover geworden: Dort trägt Harris einen klassischen hellblauen Blazer und eine US-Flagge am Revers.

Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür zwar nicht, sagt Anke van de Weyer – aber es kursiert das Gerüchte, dass mit dem Team der zukünftigen Vizepräsidentin eigentlich abgesprochen war, dass diese klassischere Aufnahme das Cover-Foto wird – und das Chucks-Foto im Inneren des Magazins landet. Sollte das stimmen, wäre es "natürlich gar nicht cool von der Vogue, sich darüber hinwegzusetzen", findet unsere Reporterin.

Nicht das erste Mal Kontroversen

Wenn die Vogue Menschen aus der Politik auf ihr Cover nimmt, gebe es Streit und Missverständnisse quasi fast schon mit Ansage, sagt Anke van de Weyer. Ähnliche Kontroversen habe es nämlich unter anderem auch schon um Theresa May und Michelle Obama gegeben, die gleich mehrere Male auf dem Vogue-Cover zu sehen war.

Weil das Cover der US-Vogue zu den wichtigsten der Welt gehört, lassen sich Politikerinnen und Politiker trotzdem immer wieder auf die Shootings ein. Wenn das eigene Gesicht neben dem Vogue-Schriftzug zu lesen ist, ist das fast, als gäbe es eine Briefmarke von einer Person, schreibt der Guardian dazu. Das Magazin steht nicht nur im Supermarkt und im Zeitschriften-Laden, sondern wird überall geteilt und besprochen. Vor kurzem hatte sogar noch Donald Trump per Twitter kritisiert, dass Melania Trump als First Lady im Gegensatz zu Hillary Clinton und Michelle Obama NICHT auf dem Vogue-Cover war.