Lisa Haalck leidet seit ihrem elften Lebensjahr an kreisrundem Haarausfall. Lange trug sie Perücken und Tücher, um ihre Glatze zu verstecken. Ein Fotoshooting brachte den Umschwung - die Bilder zeigten ihr, dass sie feminin und schön ist. Mit dem Fotoprojekt Schönlinge will Lisa anderen Frauen mit Glatze helfen, ihr negatives Selbstbild in ein positives umzuwandeln.

Lisa Haalck ist 27 Jahre alt. Seit ihrem elften Lebensjahr leidet sie an der Auto-Immunkrankheit Alopecia Areata, das heißt, an kreisrundem Haarausfall. Viel schlimmer als die körperliche Veränderung ist die psychische Belastung. Mit einer roten Kurzhaarperücke versuchte sie ihren selbst empfundenen Makel vor anderen zu verstecken. In einem Jahr verbrachte sie den Sommer in einem Ferienlager in Südspanien - ihre Perücke nahm sie währenddessen nie ab - sie duschte, schlief und hatte auch Sex damit. Ihre Glatze war das Geheimnis, das sie ständig mit sich herumtrug.

"Ich mag es, wenn Sachen ungewöhnlich sind. Alles, was glatt und makellos ist, finde ich nicht schön."

In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen an kreisrundem Haarausfall erkrankt. Genaue Ursachen für das Leiden sind nicht bekannt. Das Immunsystem betrachtet Teile der Haarwurzel als etwas Körperfremdes und versucht sie abzustoßen. Dadurch fallen die Haare aus. Für eine heranwachsende Frau ein Desaster, da lange Haare in unserer Gesellschaft mit Weiblichkeit verbunden werden.

"Ich trage meine Perücke nicht mehr, weil ich mich damit ein Stück weit verkleidet fühle."

Eine Glatze und vor allem das Fehlen von Wimpern und Augenbrauen wird unterschwellig mit einer schweren Erkrankung assoziiert. Das verunsichert viele im Umgang mit Lisa. Aber auch das Tragen ihrer Perücke verunsicherte ihre Gegenüber. Nicht so die bunten Turbane, die sie inzwischen gerne trägt, auch wenn sie damit viele Blicke auf sich zieht.

Fotoshooting als Geschenk an sich selbst

Lisa Haalck tanzt leidenschaftlich gerne Lindy Hop. Darüber hat sie ihre Freundin Ingrid Hagenheinrich kennengelernt, die Fotografin ist. Lisa hatte sich selbst ein Fotoshooting geschenkt und wusste, dass sie ihrer Freundin Ingrid vertrauen kann. Auf den Bildern empfand sie sich selbst als schön und feminin. Seitdem fühlt sie sich wohl, so wie sie ist.

"Wenn ich den Turban trage, werde ich oft angeblickt. Manchmal bekomme ich freundlich Blicke, manchmal aber auch mitleidige, wegen meiner lebensbedrohlichen Krankheit, die ich ja aber gar nicht habe."

Lisa Haalck stellt ihr Fotoprojekt "Schönlinge" vor

Weil sie dieses Gefühl auch anderen vermitteln möchte, hat Lisa das Fotoprojekt Schönlinge ins Leben gerufen. In intimer Atmosphäre können sich Menschen mit Glatze an einem Ort, an dem sie sich wohlfühlen fotografieren lassen. Zwölf Frauen wurden schon fotografiert, weitere 30 stehen auf einer Warteliste. Das Projekt wird über Funding-Portal Startnext finanziert und die Ergebnisse werden deutschlandweit in einer Wanderausstellung präsentiert.

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