In Deutschland wird im Moment kein einziger Vorstand von einer Frau geführt. Das muss sich ändern, sagt Unternehmerin Fränzi Kühne. Auch im Interesse der Firmen.

Nur 12,8 Prozent in den DAX-Vorständen sind weiblich. Das belegt die Allbright-Stiftung gerade mit einer Studie und stellt damit fest, dass der Anteil von Frauen in den Vorständen seit 2017 gesunken ist. Das sieht in Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweden und in den USA besser aus: Da ist der Teil von Frauen in den Aufsichtsräten großer Unternehmen höher, da liegt der Wert teilweise bei fast 30 Prozent.

Fränzi Kühne kennt sich aus in der deutschen Unternehmenswelt. 2008 hat sie ein Digitalunternehmen gegründet, heute ist sie Aufsichtsrätin bei Freenet und bei der Württembergischen Versicherung. Und sie ist Stiftungsrätin bei der Allbright-Stiftung, also der Stiftung, die die Studie zu Frauen in Vorständen veröffentlicht hat.

"Das ist ein absoluter strategischer Nachteil für den Standort Deutschland."
Fränzi Kühne, Unternehmerin und Stiftungsrätin bei der Allbright-Stiftung

Sie hat kein Verständnis für den Mangel an Frauen, moderne Unternehmen seien auf Diversität angewiesen. "Vielfältige Teams sind gerade bei komplexen Herausforderungen, die wir in der Wirtschaft zu stemmen haben, eine Grundvoraussetzung", sagt Fränzi Kühne. "Das ist ein absoluter strategischer Nachteil für den Standort Deutschland."

Seit 2016 gilt eine Frauenquote für Deutschland für Aufsichtsräte: 30 Prozent der Plätze im Aufsichtsrat sollen mit Frauen besetzt werden, sobald diese Plätze frei werden. Sowas wäre auch für die Vorstände nötig, meint Fränzi Kühne. "Darauf wird es hinauslaufen, weil es mit der Freiwilligkeit einfach nicht voran geht."

Kühne: Von alleine kommen keine Frauen in die Vorstände

Eine Quote aus der Politik sei also nötig, sollte aber nicht direkt bei den Vorständen greifen, sagt Fränzi Kühne: "Die Quote muss im mittleren Management anfangen und dann auf die Vorstände ausweitet werden." Ohne Quote würde Deutschland im internationalen Vergleich immer weiter zurückfallen.

Von alleine würden nicht mehr Frauen in die Spitzenpositionen kommen. "Vielfalt muss gezielt gefördert werden, das ist kein Selbstläufer", sagt die Unternehmerin. Vielfalt müsse Teil der Firmenstrategie und Kultur sein. Und die Konzerne würden davon auch profitieren: "Vielfalt ist der Motor für Innovationen und Ideen."

"Wenn es in dem aktuellen Tempo weitergeht, dauert es noch 100 Jahre, bis wir ein ausgeglichenes Verhältnis haben."
Fränzi Kühne, Unternehmerin und Stiftungsrätin bei der Allbright-Stiftung

Vor drei Jahren hat Fränzi Kühne bereits mit Deutschlandfunk Nova über dasselbe Thema gesprochen. Da war sie noch optimistisch und dachte: In 15 Jahren sprechen wir nicht mehr über die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Das hat sich erledigt: "Wenn es in dem aktuellen Tempo weitergeht, dauert es noch 100 Jahre, bis wir ein ausgeglichenes Verhältnis haben." Ausgeglichen bedeutet: 40 Prozent Frauenanteil in den Vorständen.