Frankreich ändert seine Schuldokumente: Statt "Mutter" und "Vater" soll es künftig nur noch die Bezeichnungen "Elternteil 1" und "Elternteil 2" geben. Konservativ-christliche und rechtsextreme Kreise in Frankreich regen sich darüber auf.

Vor sechs Jahren wurde in Frankreich die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt. Das führte zu großen Demonstrationen mit bis zu zwei Millionen Personen, die sich dagegen aussprachen. Die konservativ-christlichen Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe fühlen sich jetzt durch diesen Vorschlag zur Änderung der Schuldokumente wieder auf den Plan gerufen. Und auch rechtsextreme Kräfte empfinden diesen Vorstoß der Regierung als Provokation, weil sie sagen, dass es nicht ihrem Familienbild entspreche, sagt Frankreich-Korrespondent Marcel Wagner. 

"Auch die Rechtsextremen sind sofort gekommen und haben gesagt, das zerstört doch unser ganzes Familienbild."
Marcel Wagner, Korrespondent in Paris

Mit der Änderung der Bezeichnung beider Elternteile als "Parent 1" und "Parent 2" (Elternteil 1 und Elternteil2) sollen auch gleichgeschlechtliche Elternpaare berücksichtigt werden. Für schwule Paare ist es beispielsweise schräg, wenn sich der eine Vater als "Vater" eintragen kann, der andere sich aber in das Feld eintragen muss, das als "Mutter" überschrieben ist. 

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Die Vereinigung homosexueller Eltern ist zurückhaltend

Nicht nur die erzkonservativen Kreise des Landes haben ein Problem mit der Änderung der Schuldokumente, auch die französische Vereinigung homosexueller Eltern hat zurückhaltend reagiert, sagt unser Korrespondent Marcel Wagner. Die Bezifferung der Elternteile mit 1 und 2 suggeriere, dass es eine Hierarchie gibt, sagt die Vereinigung. Deswegen halten sie die Bezeichnung nicht für passend. 

"Die Vereinigung homosexueller Eltern hat gesagt: Elternteil 1 und Elternteil 2 hört sich irgendwie so an, als ob es da eine Hierarchie geben, als wäre der eine Elternteil besser als der andere. Deswegen passe diese Bezeichnung vielleicht nicht so richtig."
Marcel Wagner, Korrespondent

Die Initiative im Parlament zur Veränderung der Schuldokumente wurde von der Regierungsmehrheit initiiert. Die Regierung hatte diese Änderung ursprünglich gar nicht ins Gesetz geschrieben. Manche Abgeordnete sagten daraufhin, dass das Parlament, wenn es schon die Schulgesetze verändere, auch ein modernes Familienbild etablieren könne.

Geschätzt gebe es in Frankreich mittlerweile 200.000 Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen, sagt unser Korrespondent. Mittlerweile sei aber auch der Vorschlag "Elternteil 1" und "Elternteil 2" in die Schuldokumente zu schreiben, fast vom Tisch, sagt Marcel Wagner. Möglicherweise werde demnächst in beiden Spalten "Mutter" und "Vater" stehen, damit der jeweilige Elternteil dann die zutreffende Bezeichnung hervorheben kann. 

"Da kamen Abgeordnete, die gesagt haben, wenn wir gerade eh an die Schulgesetze herangehen, warum sollen wir dann dieses "alte" Bild weitertransportieren? Lasst uns doch ein bisschen moderner werden."
Marcel Wagner, Korrespondent

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