Die Menschen in der südfranzösischen Tourismusmetropole Nizza sind schockiert. Ein mutmaßlicher Attentäter hat am Nationalfeiertag mit einem LKW über 80 Menschen auf der Promenade de Anglais getötet.

Bei dem mutmaßlichen Attentäter handelt es sich um den 31-jährigen Franzosen Mohamed Lahouaiej-Bouhlel, wie die Staatsanwaltschaft inzwischen bekannt gegeben hat. Bei der Polizei sei er als Kleinkrimineller bekannt gewesen. In einem terroristischen Zusammenhang sei er aber bislang nicht aufgetaucht. Der Vater von drei Kindern habe in Nizza getrennt von seiner Familie gelebt. Er galt als sozial eher isoliert und habe Geldsorgen gehabt. Gearbeitet habe er als Lieferant. Den Laster hätte er angemietet. Die Motive zu der Tat sind noch unklar. Die Familie des mutmaßlichen Attentäters stammt aus Tunesien.

LKW als Waffe

Gegen 23 Uhr fuhr der Mann am 14. Juli 2016 mit einem LKW auf der gut besuchten Promenade de Anglais in die Menschenmenge. Traditionell versammeln sich die Menschen am Nationalfeiertag, um gemeinsam das große Feuerwerk zu betrachten und zu feiern. Auf einer Strecke von zwei Kilometern hat der Fahrer 84 Menschen überfahren und tödlich verletzt. Darunter sind auch sind auch zwei Schülerinnen und ihre Lehrerin aus Berlin. Über 50 Menschen schweben in Lebensgefahr. Viele weitere wurden teils schwer verletzt.Die Polizei spricht inzwischen von mehr als 200 Verletzten.

Da die Promenade wegen der Feierlichkeiten abgesperrt war, gelang es der Polizei erst mit Verzögerung den Fahrer zu stellen und zu erschießen. Nach Augenzeugenberichten habe der Fahrer mehrfach die Richtung gewechselt, um so viele Menschen wie möglich zu töten. Inzwischen liegen der Polizei auch Videoaufnahmen vor, auf denen zu erkennen ist, wie der mutmaßliche Attentäter in den Bergen in den LKW eingestiegen ist und direkt zur Promenade gefahren ist. Die Polizei fahndet inzwischen nach Hintermännern.

Ausnahmezustand verlängert

In Frankreich sollte der Ausnahmezustand Ende Juli auslaufen. Dieser wurde nach den Anschlägen vom 13. November 2015 verhängt. Der französische Staatschef François Hollande kündigte an, den Ausnahmezustand nun um weitere drei Monate zu verlängern. Auch Belgien behält seine zweithöchste Terror-Warnstufe bei. In den kommenden Tagen sollen besondere Sicherheitsvorkehrungen mit Blick auf den Nationalfeiertag am 21. Juli getroffen werden.

Weltweit zeigen sich Musiker betroffen

Popstar Rihanna hat das für den 15. Juli geplante Konzert in Nizza abgesagt. Auch das Nizza-Jazz-Festival, das am Samstag starten sollte, ist abgesagt worden. Weltweit haben Musiker ihre Solidarität und ihr Mitgefühl mit den Menschen in Nizza ausgedrückt. Die Deutsche Welle hat eine Playlist auf Spotify eingestellt, die das französische Lebensgefühl, das Savoir-vivre feiert.

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