Die Stadien werden voller, einzelne Fußballerinnen sind längst Stars. Dennoch denken viele Spielerinnen darüber nach, ihre Karriere hinzuschmeißen. Das zeigt eine Studie zum Frauenfußball weltweit und liefert auch die Gründe.
Auch wenn Fußballspielerinnen Karriere gemacht haben, heißt das nicht, dass sie ausreichend verdienen. "Es kann sein, du wirst Profi-Fußballerin, aber du hast immer noch nicht genug Geld", sagt Marina Schweizer aus der Deutschlandfunk-Nova-Sportredaktion.
"Der Traum bezahlt erst mal nicht deine Brötchen."
Das unterstreicht eine Analyse der internationalen Spielergewerkschaft FIFPRO (Fédération Internationale des Associations de Footballeurs Professionnels, dt.: Internationaler Verband der Berufsfußballer-Vereinigungen) zu den Arbeitsbedingungen im Frauenfußball. Für die Untersuchung wurde eine Umfrage unter 800 Spielerinnen aus aller Welt durchgeführt. Außerdem fanden Interviews mit einzelnen der Spielerinnen statt.
Finanzielle Sorgen als Grund
Fast die Hälfte der Spielerinnen gab an, darüber nachzudenken, ihre Karriere vorzeitig zu beenden. Von ihnen nannten wiederum fast 60 Prozent finanzielle Sorgen als Grund fürs Aufhören, so unsere Reporterin.
Obwohl sich der Durchschnittsverdienst von Fußballspielerinnen weltweit deutlich verbessert: Seit der letzten Befragung 2017 durch FIFPRO sind die Gehälter um das Dreifache gestiegen. Aber es gibt große regionale Unterschiede.
"In den USA kann eine Fußballerin im Durchschnitt schon 5.000 Dollar verdienen", sagt Marina Schweizer. Aber in den Ländern Osteuropas oder Afrikas liegt das Gehalt deutlich darunter. Zugleich sind selbst relativ hohe Einkommen immer noch weit von den Summen entfernt, die Männer im Profi-Fußball verdienen.
Psychische Belastungen als Grund
Die Spielerinnen denken aber nicht allein wegen finanziellen Sorgen über das Aufhören nach. Auch psychische Belastungen spielen eine Rolle. 46 Prozent der Spielerinnen, die generell ein Karriereende erwägen, nennen in der Studie psychischen Stress als Ursache.
"Die Spielergewerkschaft fordert eine verpflichtende psychologische Betreuung für Athletinnen in den Klubs."
In vielen Klubs fehlt eine psychologische Betreuung für die Athletinnen. Die Spielergewerkschaft FIFPRO fordert, dass Fußballklubs verpflichtend solche Angebote schaffen. In der US-amerikanischen Profiliga werde das schon umgesetzt, sagt Marina Schweizer.
In Deutschland gibt es noch Nachholbedarf
In der Studie wurden auch deutsche Spielerinnen befragt. Es sind zu wenige, um generelle Aussagen treffen zu können. Klar ist aber: Der Frauenfußball-Markt in Europa wächst sehr schnell wachse, so unsere Reporterin, "aber wenn man auf die Ligen schaut, ist Deutschland im Hintertreffen." Das zeige sich vor allem im Vergleich zu Großbritannien, Frankreich oder Spanien. Es gibt also noch Nachholbedarf.
Im weltweiten Vergleich stehe Deutschland jedoch sehr gut da, so Marina Schweizer. Das liege auch daran, dass die Frauenteams von den Strukturen der Männerteams profitieren. Denn mittlerweile sind viele Frauenteams an die sogenannten Männer-Fußballklubs angedockt. Das führt zum Beispiel zu einer besseren Infrastruktur der psychischen Begleitung.
