Deutsche Medien berichten kaum über Frauensport. Und wenn, nur kurz und langweilig.

Laut einer amerikanischen Studie ist die Berichterstattung über Frauensport in den vergangenen Jahren zwar anders, aber leider nicht besser geworden. In den USA ist sie viel kürzer und oft weniger spannend als der Blick auf den Männersport. "In Deutschland ist das ähnlich", sagt Ilse Hartmann‐Tews. 

Die Soziologin und Genderforscherin an der Sporthochschule Köln hat unter deutschen Printmedien eine ähnliche Studie durchgeführt.

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"Wenn es nicht gerade die Olympischen Spiele sind, ist die Unterrepräsentanz krass", so Ilse Hartmann‐Tews über Frauensport in Printmedien. Bei Olympia sei die Aufmerksamkeit für alle Athleten relativ gleich, weil alle Sportler am gleichen Ort sind und auch die Wettkämpfe zeitgleich stattfinden.

"Nur 15 Prozent aller Sportberichterstattung bei FAZ, Frankfurter Rundschau, Welt und Bild Zeitung beschäftigen sich mit Sportlerinnen. Eine krasse Marginalisierung des Frauensports."

Außerhalb von Olympischen Spielen handelt es sich um eine "krasse Marginalisierung des Frauensports", findet die Genderforscherin. Im Jahr 2000 lag die tägliche Printberichterstattung über Frauensport bei zwölf Prozent - im Vergleich zu männlichen Sportlern. Zehn Jahre später stieg die Aufmerksamkeit auf magere 15 Prozent.

"Über 50 Prozent der Jungen haben Sportler als Vorbilder. Bei Mädchen kommen Sportler erst auf Platz 8, auf Platz 10 dann die Sportlerinnen."
Ilse Hartmann‐Tews über Frauensport

Der Anteil von Sportlern, die auf Fotos in Aktion gezeigt werden, ist bei männlichen deutlich größer. Das prägt nicht nur unser Bild von Sport, sondern nimmt auch starken Einfluss auf die Sozialisation von Kindern, sagt Ilse Hartmann‐Tews: "Im Jugendbereich sind viel mehr Jungen sportlich aktiv als Mädchen."

Frauenquote für die Sportberichterstattung?

"Im TV ist der Anteil genauso gering, wie in der Printberichterstattung", weiß Ilse Hartmann‐Tews. Online haben sie und ihre Kollegen noch nichts ausgewertet. Warum es dort aber besser sein sollte, kann sie sich nicht vorstellen. An eine Quotenregelung denkt sie jedoch nicht. Sie will für das Thema sensibilisieren und auch das Ressort Sport für Journalisten attraktiver machen.