Einen bestimmten Wolf zu jagen und zu töten, ist nicht einfach. Weidetiere richtig zu schützen, ist hingegen einfacher und die bessere Alternative, sagt die Biologin Ilka Reinhardt und erklärt warum.

Erneut ist der freilebende sogenannte Rodewalder Wolfsrüde zum Abschuss freigegeben worden. Das hat das Niedersächsische Umweltministerium am 24.08.2020 mitgeteilt. Das Tier soll gemeinsam mit dem Rudel in den vergangenen Monaten rund 40 Schafe, Ponys und andere Tiere gerissen haben. Seit 2000 gibt es in Deutschland freilebende Wölfe. Sie töten überwiegend Schafe und Ziegen. Zwischen Tierschützern und Nutztierhaltern wird seit einigen Jahren erbittert über den Umgang mit Wölfen gestritten, besonders bei denen, die Nutztiere reißen.

Wir haben deswegen mit Ilka Reinhardt darüber gesprochen, wie sich nachweisen lässt, dass ein Wolf ein bestimmtes Tier gerissen hat und wie man einen bestimmten Wolf gezielt jagen kann. Ilka Reinhardt ist Biologin und Leiterin des Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung (Lupus) und des Freundeskreises freilebender Wölfe.

Nachweis ist teuer

Einen sicheren Nachweis auf die Tötung eines Weidetieres könne nur eine genetische Probe geben. Dieses Verfahren sei allerdings recht kostspielig. Nur mit optischen Mitteln seien die Tiere in der Regel nicht eindeutig zu identifizieren. Ilka Reinhardt sagt, dass die niedersächsischen Behörden im Einzelfall aber sichergehen, welches Raubtier angegriffen hat. Das Verfahren ist je nach Bundesland unterschiedlich.

"Ob ein Wolf ein Schaf gerissen hat oder ein großer Hund, das kann sehr ähnlich aussehen. Wenn ich sicher sein möchte, dann muss ich tatsächlich Genetikproben nehmen."
Ilka Reinhardt, Biologin und Wolfsexpertin

Für die Betäubung seien die Tiere in der Regel zu scheu. Ilka Reinhardt weist darauf hin, dass Jäger sich für den Schuss mit einem Betäubungspfeil den Tieren auf etwa 20 Meter nähern müssen. Das ist viel zu nah. Da haben Wölfe längst das Weite gesucht.

"Betäubungspfeile fliegen nicht so weit. Die haben eine viel kürzere Flugbahn als eine Kugel."
Ilka Reinhardt, Biologin und Wolfsexpertin

Am ehesten lasse sich das Reißen von Nutztieren durch Wölfe wohl durch effektive Schutzmaßnahmen verhindern. Ilka Reinhardt nennt konkret professionell installierte Elektrozäune. So würden Wölfe gar nicht erst lernen, dass Schafe und Co. leichte Opfer sind.

"Wölfe lernen an schlecht geschützten oder an ungeschützten Schafen, wie einfach es ist, diese Tiere zu erbeuten."
Ilka Reinhardt, Biologin und Wolfsexpertin