Ein Freiwilligendienst im Ausland ist bei vielen Menschen beliebt. Das Konzept ist aber auch umstritten. Es kommt auf das richtige Mindset an und eine vertrauenswürdige Organisation, die unsere Freiwilligenarbeit vermittelt.

Nach der Schulzeit oder dem Studium gehen viele für eine gewisse Zeit ins Ausland, um dort zu reisen, ein Praktikum zu machen oder auch einen Freiwilligendienst zu leisten. Letzteres wird auch Volunteering genannt und von vielen Agenturen beworben. Allerdings stehen einige Anbieter in der Kritik, weil sie den Projekten vor Ort mit ihrem Geschäftsmodell mehr schaden als nutzen.

Eine grundsätzliche Kritik an der Freiwilligenarbeit im Ausland lautet, dass weiße Menschen in die Länder des Globalen Südens gehen und sich dort als das Stereotyp des Retters in der Not präsentieren würden. Stichwort: White Saviorism.

Mit dem entsprechenden Mindset reisen

Neben einer guten Reiseorganisation gehört deswegen auch ein entsprechendes Mindset dazu. "Freiwilligendienstleistende sollen sich überhaupt nicht als Helfende sehen. Es geht um gemeinsames Lernen mit den Menschen", sagt Anna Veigel vom Freiwilligendienst "Kulturweit". Sie gibt Freiwilligen deshalb schon in der Vorbereitung auf die Reise unterschiedliche Perspektiven mit.

Unterstützende und ergänzende Angebote schaffen

Im Fokus der Arbeit sollte der interkulturelle Austausch liegen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Justus Wolters. Es geht also darum, dass Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt voneinander lernen.

Für die Freiwilligen bedeutet das: Sie sollten vor Ort unterstützende oder ergänzende Angebote schaffen, – anstatt überengagiert und ohne die notwendigen Kenntnisse eine Klasse leiten zu wollen. Sie könnten etwa einen Chor oder eine Theater-AG ins Leben rufen.

Woran wir seriöse Agenturen erkennen

Wenn Volunteering-Agenturen damit werben, dass die Menschen vor Ort sehnsüchtig auf die Hilfe der Bewerber*innen warten würden, sollten Interessierte skeptisch werden.

Die Vertrauenswürdigkeit eines Anbieters erkennt man unter anderem daran, ob die Organisation staatlich gefördert wird. Dafür muss sie gewisse Standards erfüllen. Ein Kriterium ist zum Beispiel, dass Freiwillige Einheimischen keine Jobs wegnehmen dürfen.

Außerdem müssen die Freiwilligen bei den geförderten Diensten nur sehr wenig oder gar nichts für den Auslandsaufenthalt bezahlen. All das sollten Interessierte im besten Fall direkt auf der Webseite des Anbieters sehen können.

Bei privaten Anbietern ohne staatliche Förderung sollten Bewerber*innen darauf achten, dass die Agentur einen gewissen Standard hinsichtlich Kinderschutzrichtlinien, Naturschutzrichtlinien oder auch Tierschutzrichtlinien vertritt, erklärt Steffen Mayer, Gründer der Plattform freiwilligenarbeit.de.

Zertifikate und Siegel

Wie seriös Angebote sind, zeigen auch verschiedene Zertifikate und Siegel. Beispielsweise zertifiziert die "Agentur für Qualität in Freiwilligendiensten" die Träger – allerdings werden solche Agenturen für das Zertifizieren bezahlt. Die Prüfungen führen aber unabhängige Ehrenamtliche durch. "Das Ganze scheint sehr genau zu sein – so mein Eindruck - auch wenn die Durchfallquote sehr niedrig liegt", sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter.

Zwei Jahre vorher alles planen

Dass man mit der Planung für den Auslandsaufenthalt rechtzeitig beginnen sollte, versteht sich eigentlich von selbst. Justus meint, dass man mindestens zwei Jahre vor dem Start damit beginnen sollte. Da der Wunsch nach Volunteering auch ganz kurzfristig entstehen kann, gibt es auch flexible Freiwilligeneinsätze – an die kommt man leichter ran. Allerdings bezahlt man mitunter richtig viel Geld dafür.

Anna Veigel rät in solchen Fällen dazu, dass Interessierte genau hinschauen sollten, warum der Beitrag so hoch ist. Manchen Agenturen gehe es eher darum, Geld mit dem Freiwilligendienst zu machen, als bei einem karitativen Projekt zu vermitteln. Die Organisationen sollten daher in ihrem Jahresbericht oder auf ihrer Webseite transparent machen, wohin ihre Gelder fließen.

Wie lange der Dienst sein sollte

Eine entscheidende Frage bei der Planung vom Freiwilligendienst ist auch die Aufenthaltsdauer. Steffen Mayer findet zum Beispiel, dass auch kürzere Aufenthalte okay sein können. Der Grund: Es könne passieren, dass sich Kinder zu stark an die Volontäre gewöhnen, wenn sie lange vor Ort sind. Eine andere Meinung hat Regina Pfeiffer von der Info- und Unterstützungsorganisation Eurodesk. Sie sagt, dass es besser sei, wenn die Aufenthalte länger sind.

"Durch viele Wechsel der Volontäre leiden die Kinder vor Ort, weil die Freiwilligen immer auch Bezugspersonen sind."
Regina Pfeiffer, Mitarbeiterin der Unterstützungsorganisation Eurodesk

Unser Reporter Justus Wolters zieht als Fazit aus den Gesprächen mit den verschiedenen Anbietern, dass der Freiwilligendienst im Ausland mindestens sechs Monate oder länger dauern sollte – das gilt, wenn man sozial arbeitet. Zum Beispiel mit Kindern oder Tieren. Bei Projekten wie dem Aufforsten von Wäldern oder Ähnlichem sind kürzere Aufenthalte kein Problem.