Sarah, Christiane und Christin sind während ihres Studiums unzertrennlich – dann wird Sarah schwanger und die Freundinnen entfernen sich immer weiter voneinander. Ihre Beziehung scheint für immer verändert.

Christin, Sarah und Christiane (nicht im Bild) studieren gemeinsam in Weimar, sind sehr eng befreundet und teilen alles miteinander.

"Wir haben sehr viel Leben und Alltag geteilt, uns fast täglich gesehen."
Sarah

Als Sarah überraschend schwanger wird, freuen sich die Freundinnen gemeinsam. Sarah hat zwar ein unsicheres Gefühl, was ihre Promotion und ihre Fernbeziehung betrifft, aber auf ihre Freundschaft kann sie sich verlassen. "Wir wollten Tanten sein", erinnert sich Christiane. "Wir haben uns ein schönes Luftschloss gebaut, alle drei zusammen."

Die Geburt verändert für Sarah alles – auch die Freundschaft mit Christiane und Christin

Das Luftschloss zerplatzt für Sarah dann bei ihrer Geburt, die sehr kompliziert verläuft. Auch die ersten Monate mit ihrem Baby sind nicht einfach: Ihr Sohn schreit jede Nacht stundenlang, ununterbrochen. Sarah zieht sich immer weiter zurück. "Für mich war das eine Zeit der totalen Überforderung", erklärt sie. Die junge Mutter hat auch Schuldgefühle gegenüber ihrem Kind, weil sie die Geburt nicht als freudiges Ereignis wahrnimmt und nicht sofort ein Mutterglück verspürt: "Ich musste da reinwachsen."

Ihre Freundinnen wissen nichts von Sarahs Geburtserfahrung und wie es ihr danach ging. Die Geburt war so traumatisch, dass Sarah sich niemandem anvertrauen kann und das, was ihr passiert ist, nicht mitteilen kann. "Wir hatten diesen Einblick nicht", sagt Christiane.

"Ich hatte das Gefühl, wir sehen noch das Leben der anderen, aber wir sind nicht mehr Teil davon."
Sarah

Diese "Sprachlosigkeit" beschreiben die Freundinnen als Glaswand: Es gibt zwar noch die Möglichkeit, ins Leben der anderen reinzuschauen, aber da ist etwas Ungreifbares, was Sarah von Christiane und Christin trennt. "Etwas, das Sarah erlebt hat und was Christin und ich nicht wissen, nicht nachempfinden können", so Christiane.

Erst eineinhalb Jahre später erfahren sie von Sarahs Erfahrungen – aber nicht von ihr persönlich, sondern durch ein Interview, das Sarah über ihre Mutterschaft mit einem Schreibaby gegeben hat.

Christiane und Christin sind schockiert darüber, was Sarah erleben musste. Die junge Mutter hatte wiederum angenommen, dass ihre Freundinnen es bereits wussten. Ein gemeinsamer Urlaub war für die drei Freundinnen dann eine Möglichkeit, ehrlich über die Verletzungen, Enttäuschungen und Erwartungen zu sprechen.

"Ich hatte eigentlich keinen Zweifel daran, dass die Freundschaft bestehen bleibt."
Christiane

"Das war ein Anfang von einem Prozess, in dem wir immer noch stecken", so Christiane. Die Glaswand sei jetzt zerbrochen – das Leben hat sich aber verändert und die Freundschaft mit ihr. Die Freundinnen müssten jetzt herausfinden, wie sie ihre Beziehung gestalten können, auch weil sie jetzt unter anderen Bedingungen existiert: Sie wohnen nicht mehr gemeinsam in Weimar.

Die Freundschaft wird zu einem andauernden Prozess

Dadurch haben sie aber auch eine neue Ehrlichkeit miteinander entwickelt und die drei versuchen, Bedürfnisse und Wünsche konkreter zu äußern, so Christiane. "Wir setzen uns auseinander und wieder zusammen", beschreiben die Freundinnen es. Es gäbe auch mehr Wertschätzung und mehr Motivation, an der Beziehung zu arbeiten – auch weil die Freundschaft nicht mehr selbstverständlicher Teil des Alltags ist.

Trotz allem hat Christiane nie das Gefühl gehabt, dass die Freundschaft unüberwindbar kaputt sei. "Ich habe gemerkt, dass sie sich verändert und mich vielleicht auch davor gefürchtet, dass sie nicht mehr so innig sein wird", beschreibt sie. "Aber ich hatte eigentlich keinen Zweifel daran, dass das bestehen bleibt."