So ganz ohne Kommunikation kommen Freundschaften nicht aus. Wo aber liegt der kommunikative Sweet Spot? Kristin und Johanna sprechen über ihre Gewohnheiten und Bedürfnisse. Psychologin Tabea Scheel erklärt, wie Freundschaft klappen kann, wenn man unterschiedlich tickt, was Kontakt angeht.

Bei Familie hat man ein Gefühl von Verpflichtung sich zu melden, bei Freunden eher nicht, findet Johanna. Sie erwartet keine unmittelbare Reaktion. In Freundschaften sei sich niemand böse, weil sich einer mal nicht meldet, findet Johanna. So ist das zumindest in ihrem Freundeskreis.

Johanna findet physische Präsenz in Freundschaften nicht so wichtig. Freundinnen und Freunde seien sich manchmal einfach nur gedanklich nah. Sie schafft es trotzdem den Kontakt zu halten: "Manchmal denkt man aneinander und greift dann zum Hörer."

"Man freut sich, sich zu sehen. Das heißt aber nicht, dass man eine Verpflichtung hat."
Johanna, über Kontaktfrequenzen in Freundschaften

Bei Kristin ist es anders: Sie meldet sich häufig, aber manche Freundinnen und Freunde schreiben einfach nicht zurück. Kristin schickt Fotos vom Mittagessen oder vom Spaziergang. Sie schätzt den regen Austausch auch von Rezepten. Chronisches Oversharing hat die Studentin bei sich selbst festgestellt. Nur bei Sprachnachrichten hält sie sich eher zurück.

Die Zeitbudgets der anderen

Wenn die Antworten ausbleiben, weiß Kristin aber auch: Die machen das nicht absichtlich. Sie schätzt dann das Zeitbudget der anderen ab. Wer arbeitet, antwortet später in der Mittagspause oder im Feierabend, wer studiert, eher etwas rascher. Negativ hat sich noch niemand zu ihrem Kommunikationsverhalten geäußert.

"Ich glaube schon, dass ich eine chronic Oversharererin bin. Ich schicke auch die Fotos von meinem Mittagessen."
Kristin, hat sich daran gewöhnt, auf Antworten zu warten

Manchmal kommt dann halt einfach keine Reaktion. Mit einer Freundin hat Kristin versucht, die Kommunikationsgewohnheiten ein bisschen auszutarieren und einen Kompromiss zu finden. Sie sagt: "Da ging es auch um den Konflikt zwischen schnellen und kurzen Reaktionen oder lieber eine durchdachte, aber dann spätere Nachricht."

"Kontakt aufrecht erhalten mit Leuten, die man sehr gut kennt: Ja! Nähe aufbauen: Nein! Für mich zumindest."
Kristin, über ihre Kommunikationserfahrungen mit Messengern

Freundschaften entwickeln sich, sagt die Psychologin Tabea Scheel. Sie sagt: "Je älter unsere Freundschaften sind, desto mehr Verbundenheit haben die."

Differenzen klären

Befreundete Menschen müssen sich nicht unbedingt ähnlich sein. Differenzen im Kommunikationsverhalten sollten spätestens dann geklärt werden, wenn Zweifel an der Freundschaft aufkommen. Kommunikationsbedürftigere Menschen könnten ja in der Regel auf andere Kontakte ausweichen.

Die Psychologin Tabea Scheel.
© privat
Die Psychologin Tabea Scheel
"Es sind oft nicht die einzigen Freunde, die man hat. Man stößt diese Freundin nicht unbedingt vor den Kopf. Die hat bestimmt zehn andere Leute, die sie anrufen kann."
Tabea Scheel, Psychologin

Allzu deutliche Differenzen könnten schlicht zum Ende von freundschaftlichen Beziehungen führen. Wenn die Bedürfnisse so gar nicht zueinander passten, dann werde man sich wieder auseinanderentwickeln, sagt Tabea Scheel. Wer Probleme frühzeitig anspreche, sei in der Regel auf dem richtigen Weg.

"Wenn man es schafft darüber zu reden, bevor irgendwelche Missverständnisse sich ihren Weg bahnen, ist das total super."
Tabea Scheel, Psychologin

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  • Moderator:  Dominik Schottner
  • Gesprächspartnerin:  Johanna, erwartet von Freunden und Freundinnen nicht sofort eine Reaktion
  • Gesprächspartnerin:  Kristin, hat sich daran gewöhnt, auf Antworten zu warten
  • Gesprächsparterin:  Tabea Scheel, Psychologin